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10. April 2026Kenia auf dem Teller
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arol Mühlenbrock ist Botschafterin für afrikanische Küche. Mit kenianischen Aromen, viel Gemüse und ansteckender Lebensfreude bringt sie nicht nur Farbe auf deutsche Teller, sondern öffnet auch neue Wege ins Gastgewerbe.

Wer Marenge für einen Tanz hält und Irio für einen Frauennamen, dem sei geraten, einen Kochkurs bei Carol Mühlenbrock zu besuchen. Die Kenianerin lebt seit 20 Jahren in Deutschland und kocht mit einer Begeisterung, die jeden einfach mitreißt. In ihren kundigen Händen verschmelzen Gewürze, Gemüse und Fleisch zu farbenfrohen Gute-Laune-Gerichten. Ihre Mission: Die Aromen Kenias nach Deutschland bringen.
„Die Küche Deutschlands habe ich zu Beginn als sehr deftig und fleischlastig empfunden“, erinnert sich Mühlenbrock. „Ich bin in einem Slum aufgewachsen. Fleisch war selten und etwas ganz Besonderes. In Deutschland habe ich dann verhältnismäßig viel Fleisch und Milchprodukte gegessen, irgendwann aber gemerkt: Das tut meinem Körper nicht gut. Also stand wieder viel Gemüse auf meinem Speiseplan.“ Kenianische Küche in Deutschland – passt das zusammen?
Mühlenbrock begann als Spülerin in einem Restaurant zu arbeiten und lernte wissbegierig die deutsche Sprache. „Meine Kollegen im Restaurant haben Witze gemacht und gelacht. Ich wollte sie einfach verstehen und mitlachen.“ Nach einem Jahr beherrscht sie Deutsch, lässt sich zur Köchin ausbilden und eröffnet schließlich ihr eigenes Restaurant. Die Unsicherheit war groß, wie Gerichte Kenias bei deutschen Gästen ankommen.
„Anfangs habe ich deutsche und kenianische Speisen angeboten. Nicht alle waren experimentierfreudig genug, um afrikanisches Essen zu probieren. Doch irgendwann erzählten mir immer mehr Gäste, dass sie nicht den weiten Weg zu mir auf sich nehmen, um Deutsch zu essen. Sie wollen mein kenianisches Essen“, erzählt sie lachend. Sie stellt auf ein Buffet-Angebot um. So probieren sich noch mehr quer durch die Gerichte. Ganz vorne mit dabei: Gemüse. „Viele kamen auf mich zu und haben gesagt, dass sie das Fleisch gar nicht vermissen.“
„Mit essen kann man Menschen glücklich machen“
Eine der wichtigsten Zutaten bei ihr: gute Laune. „Mir ist egal, ob man ein Getränk von links oder rechts serviert. Wichtig ist eine Willkommenskultur. Spaß, Lachen, Freude vermitteln.“ Herzlich und leidenschaftlich Gastgeberin sein – das kauft man ihr sofort ab. Als sie beschloss, ihr Restaurant im Februar 2026 zu schließen um sich ganz auf Kochkurse, Workshops und Retreats zu konzentrieren, hatten nicht wenige Stammgäste Tränen in den Augen.
Doch auch in den Kursen schlägt ihr Gastgeber-Herz weiter: „Gemeinsam Dinge erleben, Spaß haben und eine Auszeit vom Alltag: Das will ich vermitteln.“ Das zwanglose, entspannte Miteinander vermisst sie manchmal in Deutschland. „In Kenia nimmt man sich Zeit, isst gemeinsam mit Freunden, Familie, Nachbarn. In Deutschland ist es mir monatelang nicht gelungen, mit meinem Nachbarn in Kontakt zu kommen.“
Talent-Scout für das deutsche Gastgewerbe
Junge Menschen zu fördern und ihnen den Weg zu einer Karriere als Koch oder Köchin zu ebnen, liegt Mühlenbrock besonders am Herzen. Sie unterstützt das Pilotprojekt Talent Gateway, hinter dem federführend die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) steht. Der DEHOGA Bayern unterstützt das Projekt gemeinsam mit weiteren Partnern. Ihr Ziel: Junge Talente für das deutsche Gastgewerbe zu gewinnen. Aus einem Pool von 400 Bewerbern haben es mehrere geschafft: Sie werden nun in Kenia vorbereitet, um sich ab Herbst in deutschen Betrieben zu Koch oder Köchen ausbilden zu lassen.
Wichtig für die Integration der jungen Menschen sind in den Augen von Mühlenbrock nicht nur Sprachkenntnisse. Es geht auch darum, ein Verständnis für die deutsche Mentalität zu entwickeln. „Ich lache sehr viel und gerne. Das mag manche irritieren. Aber ich weiß, dass ich trotzdem so sein kann, wie ich bin. Und ich habe gelernt, die Deutschen so zu nehmen, wie sie sind. Manch einer mag viel leicht reserviert wirken und etwas verschlossen. Aber das ist nicht böse gemeint. Ich habe meine Zeit gebraucht, um das zu verstehen. Da möchte ich jungen Kenianern gerne helfen, hier leichter anzukommen.“
Carol Mühlenbrock: Gibt’s auch für Zuhause
Neben ihrem Engagement für den Nachwuchs, Workshops und TV-Auftritten betreibt Mühlenbrock auch einen Onlineshop. Chutneys, Gewürze und Saucen gibt es hier für alle, die sich afrikanische Aromen nach Hause holen wollen. Echte Fans bekommen dort sogar Tassen, Kochschürzen und vieles mehr. Wer möchte, kann selbst zur Tat schreiten: African Comfort Food heißt das Kochbuch, dass Mühlenbrock kürzlich veröffentlicht hat. Das Gastgeber Bayern Magazin verlost drei Exemplare. Aber Achtung: Wer einmal beginnt, diese Küche zu genießen, „riskiert“ Dauergrinsen, plötzliche Gemüse-Liebe und Fernweh im Kochtopf.
