
Ginperium
5. Februar 2026
Kneten, kämpfen, kurieren
19. Februar 2026
Ginperium
5. Februar 2026
Kneten, kämpfen, kurieren
19. Februar 2026Winzerin Ilonka Scheuring
J
ungwinzerin Ilonka Scheuring bringt frischen Wind in die Branche. Mit Individualität, einem Blick für Details und viel Expertise stellt sie Weine her, die nicht nur schmecken, sondern auch nachhaltig sind.

Ilonka Scheuring fällt auf. Mit knallig rosa Gummistiefeln, ihrem Markenzeichen, streift sie durch ihre Weinberge bei Margetshöchheim in Franken. Ilonka macht nicht nur herausragenden Wein mit Namen wie „Femina Glut“ oder „Drei Aged Sweet“, sie legt auch großen Wert auf eine ressourcenschonende und umweltfreundliche Weinproduktion.
„Steillagen prägen das Landschaftsbild im Würzburger Umland und wir erhalten unsere Kulturlandschaft. Außerdem sind unsere Hänge ein wichtiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Diese Biodiversität fördern wir durch Blühstreifen und natürliche Begrünung“, sagt sie. Gemeinsam mit zwölf weiteren fränkischen Winzern ist Ilonka Mitglied in der Ethos-Gruppe. Das Leitbild: Ökologie, Ökonomie und Soziales in Einklang bringen – und so die fränkische Weinkulturlandschaft nachhaltig pflegen.
One-Woman-Show
Ihre Eltern begannen vor rund 38 Jahren mit dem Weinbau in der Regi[1]on. Heute führt Ilonka das Unternehmen allein weiter – vom Papierkram bis zur Weinlese. Es ist ein milder, sonniger Tag Ende September. Ilonka und ihre Mitarbeiter lesen die letzten Trauben. „Dieses Jahr haben wir am 3. September begonnen, weil der Sommer so heiß war“, erzählt sie. Zum Vergleich: Noch vor 20 Jahren fiel die Weinlese in den Oktober – inzwischen startet sie immer früher. Während Ilonka per Hand die grün schimmernden Trauben sammelt, erzählt sie von ihrem Beruf: „Was mir am meisten Spaß macht, ist, dass man ein Lebensmittel produziert, das Genuss, Geselligkeit, Spaß und die Landschaft verkörpert.“ Die Lage am Stettener Stein, 80 Meter über dem Main, ist traumhaft schön – und mit ihrem Muschelkalkboden ideal für den Weinbau. „Das ist Arbeiten, wo andere Urlaub machen“, sagt Ilonka und lacht.
Ilonka liegt die Erhaltung der Kulturlandschaft besonders am Herzen. „Zum Erhalt der Vielfalt haben wir viele Streuobstbäume und Wiesen“, sagt sie. „Zigtausende Lebewesen leben auf einem Baum, egal ob er lebendig oder tot ist. Wenn er nicht da wäre, gäbe es weniger Lebensraum.“ Die kleinen Bewohner – Schmetterlinge, Spinnen, Schnecken und Marienkäfer – finden sich auch auf den Etiketten ihrer Flaschen wieder: „Wir wollten so den Weinberg auf die Flasche bringen.“
Nein, Steillagen!
Zurück auf dem Weingut. In der Einfahrt steht ein großer Traktor, zwei Tonnen mit Maische lagern daneben. „Das erste Mal Traktor gefahren bin ich mit sechs oder sieben Jahren“, erzählt Ilonka. Die Arbeit in den steilen Weinbergen, beim Keltern und im Büro – all das macht sie selbst. „Da braucht man kein Fitness-Studio mehr“, sagt sie und lacht. Der Beruf fordert körperlich, aber Ilonka lebt ihn mit Leidenschaft. Von dieser Leidenschaft kann man sich vor Ort überzeugen. „Ich biete Weinproben und geführte Weinwanderungen durch die Wengert an. Da ist jeder willkommen, vom Weinanfänger bis zum Weinkenner.“
Im Frühjahr und Herbst öffnet ihre Heckenwirtschaft: In der gemütlichen Weinstube können Gäste Ilonkas Weine probieren und fränkische Spezialitäten genießen. „Das mag ich sehr gerne, wenn die Leute kommen. Es ist gesellig, man teilt sich mit Fremden einen Tisch und kommt ganz automatisch ins Gespräch“, sagt sie.
Das Gute liegt so nah
Viel Freizeit hat Ilonka kaum. Das Weingut, ihre Kinder, ihre Familie – all das fordert volle Aufmerksamkeit. Doch sie bekommt alles unter einen Hut. Zwei Jahre lang besuchte sie die Technikerschule für Weinbau und Oenologie in Weinsberg, zuvor absolvierte sie eine Ausbildung zur Weinküferin. 2010 übernahm sie das Weingut ihrer Eltern. Immer mehr Frauen steigen in den Weinbau ein – doch die Branche ist noch immer männerdominiert. „Es kommt schon mal vor, dass man auf einer Messe steht und gefragt wird: ‚Kann ich mal mit dem Winzer sprechen?‘“, erzählt Ilonka.
Doch am Ende zählt, wie der Wein schmeckt. Und der überzeugt: Ob Silvaner, Scheurebe, Riesling oder Spätburgunder – Ilonka achtet auf Qualität und Nachhaltigkeit. Mit Zielstrebigkeit und Lässigkeit schafft sie Weine, die so individuell sind wie sie selbst. Nach einem Tag auf dem Weingut Scheuring steht fest: Die Kunst des guten Weins ist da zu Hause, wo die Winzerin rosa Gummistiefel trägt.
