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19. Februar 2026Vom Schiffscontainer in München an die Börse in New York
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ine Idee, ein Container und ganz viel Leidenschaft waren die ersten Zutaten für eine unternehmerische Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht: Die Ginbar GinCity ist seit 2016 eine feste Größe im Münchner Nachtleben und schafft es jetzt sogar an die New Yorker Börse. Doch alles der Reihe nach...

Eines der Masterminds im Unternehmen ist Alexander Baehr. Der ausgebildete Steuerassistent entdeckte schon früh, dass sein Herz nicht (nur) für Zahlenkolonnen schlägt: 1989 wechselte er gemeinsam mit einem Freund in die Gastronomiebranche. "Der hatte gerade eine Million im Lotto gewonnen. Zu dem Zeitpunkt stand das Lokal "Schickeria" in München zum Verkauf. Da hab ich ihm vorgeschlagen: 'Du kennst die Branche, ich kenn die Zahlen, lass' uns was zusammen machen", erinnert sich Baehr.
Als das GinCity 2016 seine Containertür öffnete, konnten die Kunden aus 20 verschiedenen Gins und vier Sorten Tonic Water wählen. Heute ist das Sortiment auf 400 Gins gewachsen - und findet Platz im preisgekrönten Werksviertelgebäude. "Werk 12". Meterhoch türmen sich die Flaschen in leuchtenden Regalböden. Wer überfordert ist, erhält Rat vom Service - oder bucht gleich ein Gin Tasting.
Vom Cocktail zum Mocktail
Zwischen Hochprozentigem fordern auch immer mehr alkoholfreie Varianten ihren Platz im Regal ein. "In den USA ist das Thema schon sehr groß. Einige Lokale schenken gar kein Alkohol mehr aus", berichtet Baehr. "Auch bei uns steigt die Zahl derjenigen, die auf Alkohol, aber nicht auf Genuss verzichten wollen."
"Tonic und alkoholfreien Gin zu mischen, dass es richtig gut schmeckt, ist gar nicht so einfach", gibt Baehr zu bedenken. "Damit es nicht nach Limo schmeckt, bieten wir ab sofort einen fertig gemischten alkoholfreien GinTonic an." Das Produkt "Gin City Zero & Tonic" wird in handlichen Dosen künftig auch im Einzelhandel angeboten und soll sogar international verfügbar sein.
Und wie war das jetzt mit der Börse?
"Für mich stellt sich die Frage: Wie soll es weitergehen mit dem Unternehmen? Verkaufen will ich nicht. Vererben ist kein Thema. Meine Tochter hat gerade erst ein Wiesn-Festzelt übernommen, mein Sohn ist erst 16 Jahre alt. Da kam uns die Idee mit einer Umwandlung in Wertpapiere an der New Yorker Börse. "Ein großer Schritt - und viel Arbeit. Amerikanische Wirtschaftsprüfer
benötigen unzählige Daten vom Unternehmen, um auszuschließen, dass sie persönlich für Betrug in Haftung genommen werden. „Da kommt mir mein Knowhow als Steuerberater zugute“, freut sich Baehr. „Als Eigentümer behalten wir die Entscheider-Aktien und sichern uns damit die Mehrheitsverhältnisse im Unternehmen. Jetzt geht es darum, unsere Produkte gut zu vermarkten. Denn: Der Aktienkurs steigt mit guten Geschichten, nicht mit dem Umsatz einzelner Produkte!“
Und wie geht es weiter? Baehr hat viel Energie und noch mehr Ideen: „In ein paar Monaten wollen wir an die NASDAQ“, verkündet Baehr – eine Technologiebörse, die kleine Schwester der großen New York Stock Exchange (NYSE) – und ergänzt: „Zudem soll unser systemgastronomisches Konzept in die USA exportiert werden.“ Wir bleiben gespannt.
