
Bayerische Jugendmeister 2026: Champions der Branche
4. September 2026
Vielfalt inklusive
15. September 2026
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15. September 2026Vielfalt beim Urlaub
G
eschützt? Oder gefährlich? Diese Frage stellen sich LGBTQ+-Reisende bei der Urlaubsplanung regelmäßig. Was Destinationen tun können, um Sicherheit und Komfort speziell für diese Gruppe zu verbessern, war Thema beim LGBTQ+-Tourismus-Symposium im Juni in München. Das Event war hochkarätig besetzt, unter anderem mit der Vorsitzenden der Deutschen Zentrale für Tourismus, Petra Hedorfer.

Grundsätzlich sind sicherheitsrelevante Informationen sehr wichtig bei der Vermarktung von Destinationen – für diese Zielgruppe umso mehr. Dazu zählen etwa die rechtliche Lage im Reiseland, Gastfreundschaft in der Unterkunft oder gesellschaftliche Akzeptanz vor Ort. Und Bayern hat hier viel zu bieten. Insgesamt 16 Prozent der 4.400 „Travel Proud Unterkünfte“ in Deutschland liegen in Bayern. Die Auszeichnung erhalten all jene Hotels und Ferienwohnungen, die das Proud-Hospitality Training der Plattform Booking.com absolviert haben. Sie gelten als besonders LGBTQ+-freundliche Gastgeber.
Zwischen Alm, Isar und Regenbogen
„Die Angebote für diese Gruppe müssen sichtbarer werden“, wünscht sich Petra Hedorfer, Vorsitzende der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Und sie hat noch weitere Zahlen im Gepäck, die belegen, dass LGBTQ-Reisende hierzulande gut aufgehoben sind: „Auf dem Gay Travel Index belegt Deutschland Platz 3. Beim Nation Brand Index, der jährlich das Image von Ländern misst, steht Deutschland für Offenheit, Sicherheit und Fairness.“ Sie fügt hinzu: „Das LGBTQ-Ranking von TUI prüft 50 europäische Städte. Im Jahr 2025 belegt München darin Platz 15.“ Das sind viele positive Aspekte, die jedoch bislang wenig genutzt werden. So räumt Benedikt Brandmeier, Leiter von München Tourismus, ein: „Diese Gruppe wird von München Tourismus bislang nicht gezielt angesprochen.“
Global betrachtet ordnen sich zehn Prozent der Urlauber dem LGBTQ-Umfeld zu. Reisende dieser Gruppe gelten als kaufkräftig und reisefreudig. Sie geben durchschnittlich 30 bis 40 Prozent mehr Geld für Reisen aus als der gewöhnliche Urlauber und fokussieren sich auf Premiumdestinationen. Haben sie einen Ort gefunden, an dem sie sich sicher und willkommen fühlen, kehren sie dreimal eher an dieses Reiseziel zurück als der Durchschnitt. Insbesondere die älteren queeren Reisenden bilden ein großes Wachstumssegment auf dem Reisemarkt. Generell gilt die Community untereinander als extrem gut vernetzt. Positive wie negative Erfahrungen verbreiten sich schnell. Persönliche Empfehlungen sind für andere Reisende wertvolle Impulsgeber. Partnerschaften zwischen einer Destination und Vertretern des LGBTQ+-Umfeldes hätten damit eine große Reichweite.
All Inclusive? Sicherheit bitte auch
Was hingegen nicht funktioniert, weiß Edgar Weggelaar, CEO bei Queer Destinations: „Einmalige Pride-Events, inhaltsleere Marketingmaßnahmen und keine Deckung zwischen Marketing und der Reiseerfahrung vor Ort.“ Für ihn steht fest: „Es braucht einen ganzheitlichen Ansatz, vor allem das Team vor Ort muss umfassend geschult werden.“ Ein Großteil der Reiseplanung funktioniert für diese Gruppe über den Austausch mit künstlicher Intelligenz. Hier müssen sie keine Bewertung ihrer Person fürchten, fühlen sich sicherer und erhalten oft treffendere Tipps als auf den gängigen Informationsseiten einzelner Destinationen. Für touristische Anbieter heißt das: nachjustieren. Es gilt, nicht nur mit Regenbogen-Symbolik zu werben, sondern klare, belastbare Informationen zu liefern — etwa zu diskriminierungsfreier Buchung, geschultem Personal, sicheren lokalen Kontakten und realistischen Hinweisen zur Situation vor Ort. Zwar wächst die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber dieser Gruppe stetig. Gleichzeitig nehmen aber auch Übergriffe und Beleidigungen weiter zu. Norbert Kettner, CEO bei Wien Tourismus, hat hier bereits jahrelange Erfahrung sammeln können und merkt: „Der Gegenwind wird rauer. Der Lack der Zivilisation ist dünner, als wir glauben.“



