
Kneten, kämpfen, kurieren
19. Februar 2026
Auf einen Aperol Spritz mit…
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19. Februar 2026Isabellas Kolumne
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elbstbestimmung, Sinnorientierung und Eigenverantwortung – was in vielen Branchen erst Einzug hält, ist im Gastgewerbe längst gelebte Praxis. Doch auch hier verändern sich Strukturen, Erwartungen und Führungsstile. Isabella Hren, Vorstand der Bayerischen Gastgeber AG und Geschäftsführerin der Bayern Tourist GmbH, zeigt, wie Hoteliers und Gastronomen den Wandel gestalten können – mit neuen Führungsinstrumenten, mehr Wertschätzung und der Kunst des Weglassens.

Der Begriff „New Work“ ist in aller Munde, oftmals denkt man dabei an Home-Office. Auf Fotos in Medien sieht man häufig Teams, die in riesigen Lounge-Möbeln gemeinsam diskutieren oder mit dem Laptop am Strand arbeiten. Doch wie findet sich diese Arbeitsrealität im Gastgewerbe wieder? Tatsächlich ist „New Work“ ein Konzept zur modernen Arbeitsgestaltung, das den Fokus auf Selbstbestimmung, Sinnorientierung, Flexibilität und Eigenverantwortung der Mitarbeitenden legt. Somit ist die Branche sogar prädestiniert für diese Arbeitsweise, da sie für jedes Lebensmodell ein Angebot unterbreiten kann und im Umgang mit den Gästen stets individuell und seit jeher eigenverantwortlich bewerkstelligt wird.
Die Dienstleistungen des Gastgewerbes werden rund um die Uhr er[1]bracht und Jobs stehen für jedes „Work-Life-Konzept“ zur Verfügung. So arbeiten manche saisonal intensiv, um danach mehrere Wochen zu pausieren. Andere verrichten die Tätigkeiten ausschließlich zu bestimmten Tageszeiten oder an einzelnen Tagen – alles ist möglich. Kein Tag ist wie der andere: Abwechslung durch den Gästekontakt und arbeiten in Gemeinschaft gehören zur Berufs-DNA. Dennoch sind Veränderungen notwendig. So bringen unterschiedliche Arbeitszeitmodel[1]le im Betrieb Mehraufwand in Administration oder Dienstplangestaltung, partizipative Teamführung ein höheres Maß an Kommunikation und Erwartung an professionelle Führung mit sich.
Wer die Veränderungen, die alle Branchen betrifft, als Chance begreift und diese für sich nutzt, profitiert. Flexibilität und Umdenken sind die Schlüssel zur Mitarbeiterbindung. Oftmals wird Zeitmangel als schlagendes Argument gegen notwendige Anpassungen genannt – wie kann es also gelingen?
Weglassen
Routinearbeiten nehmen zu und (zu) viel Zeit in Anspruch. Die Kunst ist, für den eigenen Betrieb zu definieren, was im Grunde weggelassen werden kann oder welche Aufgaben digital gelöst werden können. Das bietet Ihrem Team eine gute Gelegenheit, sich einzubringen und Lösungen zu präsentieren.
Kommunikation
Die Erwartungen an Kommunikation sind gestiegen. Das stellt die Führungsteams vor allem im stressigen Tagesgeschäft oft vor Herausforderungen und führt langfristig zu Überforderung. Tipp: Rituale in den Arbeitsalltag integrieren, wie die Frage bei Dienstschluss: „Wofür klopfst du dir heute selbst auf die Schulter?“ Oder: „Was hat dich heute an einem Kollegen beeindruckt?“. Das löst positive Gedanken und Zufriedenheit am Ende eines Arbeitstages aus. Um dem erhöhten Kommunikationsbedarf gerecht zu werden, benötigt es oftmals nicht noch mehr Team-Meetings. Es genügen mitunter ein aufmerksamer Blick, ein Nicken oder ein Lächeln, um Wahrnehmung zu signalisieren.
Neue Werkzeuge für zeitgemäße Führung
Die gestiegenen Anforderungen bringen erhöhten sowie zeitgemäßen Aus- und Weiterbildungsbedarf mit sich. Führungskräfte und angehende Führungspersönlichkeiten benötigen praxisorientierte Unterstützung für ihre Aufgaben, die sie gemeinsam mit Kollegen aus der Branche erlernen und sich dabei vernetzen. Die Gemeinsamkeiten und das Verständnis für die eigenen Herausforderungen aus anderen Teams hilft und motiviert. Beispielsweise lernen die Teilnehmenden in der neu geschaffenen „Führungs-Akademie“ der BTG in drei Modulen Vieles über Eigenwirkung, Fehlerkultur und Teamdynamik.
Damit Gelerntes im Arbeitsalltag nicht in Vergessenheit gerät, wurde ein „ImpulsRaum“ für Führungskräfte ins Leben gerufen. Ein monatliches digitales Führungscoaching für zweieinhalb Stunden in kleinen Teams auf Augenhöhe. Im Vertrauensraum werden von den Teilnehmenden mitgebrachte Herausforderungen aus der Praxis gemeinsam besprochen und Lösungen erarbeitet. Die Gruppe profitiert nicht nur von den zwei Coaches, sondern auch von den Erfahrungen der Kollegen.
Sieger erkennt man am Start
Damit sind die Unternehmer aus Sicht der potenziellen Mitarbeitenden gemeint. Es gilt den Bewerbungsprozess so einfach wie möglich zu machen, digitale Kommunikationswege bis hin zu WhatsApp-Chats zuzulassen und auf aufwendige Unterlagen im ersten Schritt zu verzichten. Was allerdings unverzichtbar ist: rasche Rückmeldungen der Unternehmen an die Bewerber. Das signalisiert bereits Wertschätzung und schafft professionelle Außenwirkung sowie Image am Markt.
Wertschöpfung durch Wertschätzung
New Work und die damit verbundene Zentrierung auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden hat nachweislich Auswirkungen auf die Bindung, die Motivation und somit auf die Atmosphäre. In einer Branche, in der Gäste ihre Auszeit vom Alltag, ihre Belohnungsmomente zelebrieren sind ein klares Win-Win. Orte, an denen eine positive Stimmung spürbar ist sind Anziehungspunkte, in denen man gerne verweilt und wiederkommt – das gilt für Gäste und für Mitarbeitende gleichermaßen.
Zu allen erwähnten Themen und darüber hinaus bietet die BTG im Rahmen der BTG-Akademie Seminare, Work-Shops und Coachings an – in Präsenz, digital und den Betrieben.
