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25. Juni 2026„Die Mehrwertsteuersenkung stärkt unsere Gastronomie“
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ayerns Tourismusministerin betont die Bedeutung der reduzierten Mehrwertsteuer für die Gastronomie – als Stabilitätsanker in schwierigen Zeiten. Gleichzeitig macht sie klar: Für eine nachhaltige Stärkung der Branche braucht es mehr Flexibilität, weniger Bürokratie und bessere Rahmenbedingungen.

(c) Nadine Keilhofer / StMELF
Frau Staatsministerin, welche Bedeutung hat die Mehrwertsteuerreduzierung auf Speisen aus Ihrer Sicht für die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandorts Bayern – insbesondere im Vergleich zu Nachbarregionen im In- und Ausland?
Die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie war ein unglaublich wichtiger Schritt für Bayern – für unseren Tourismusstandort ebenso wie für das gesellschaftliche Miteinander. Sie stärkt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtshäuser, Restaurants und Gasthöfe – in den Städten wie im ländlichen Raum.
Unsere Gastronomie ist weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor: Sie ist gelebte bayerische Identität, prägt das Urlaubserlebnis unserer Gäste und ist ein ganz entscheidender Faktor für den Zusammenhalt in den Dörfern und das kulturelle Leben vor Ort. Mit der jetzigen Regelung erhält die Branche endlich die faire steuerliche Behandlung, für die Bayern seit Jahren gekämpft hat – insbesondere im internationalen Wettbewerb sowie gegenüber dem To-Go-Geschäft und dem Lebensmitteleinzelhandel, wo verzehrfertige Speisen schon lange mit nur sieben Prozent besteuert werden.
Mein ausdrücklicher Dank gilt dem DEHOGA, der sich mit großem Engagement, engem Schulterschluss mit der Bayerischen Staatsregierung und langem Atem für diese dringend notwendige Entlastung eingesetzt hat. Ohne dem starken Einsatz und dem Verhandlungsgeschick unseres Ministerpräsidenten Dr. Markus Söder in den Koalitionsverhandlungen wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.
Welche konkreten Effekte erwarten Sie für Gastronomie und Hotellerie in klassischen Urlaubsregionen (Alpenraum, Seen, Franken) – und wie wollen Sie diese Effekte sichtbar machen?
Ich erwarte mir weiterhin wichtige stabilisierende Effekte – aber wir müssen die Realität klar benennen: Ein erheblicher Teil der Entlastung durch die Mehrwertsteuersenkung wird aktuell durch steigende Kosten wieder aufgezehrt. Der höhere Mindestlohn, der sich auch auf Lohnabstände innerhalb der Teams auswirkt, die angespannte geopolitische Lage im Iran und dadurch wieder steigende Energiepreise sowie insgesamt deutlich gestiegene Betriebskosten setzen das Gastgewerbe massiv unter Druck.
Gerade das zeigt aber auch, wie richtig und wichtig die Entscheidung war, die Mehrwertsteuer zu senken. Ohne diese Entlastung wäre die Situation für viele Betriebe noch schwieriger. Die Maßnahme wirkt wie ein Puffer in einer insgesamt angespannten Lage.
Gerade auch in den Urlaubsregionen bleibt es dabei: Jeder zusätzliche finanzielle Spielraum hilft, Betriebe zu stabilisieren, Arbeitsplätze zu sichern sowie Mitarbeiter zu halten und notwendige Investitionen zu ermöglichen. Aber wir dürfen uns nichts vormachen, die Branche steht weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichen Druck. Für langfristige Stabilität braucht es zusätzliche Anstrengungen – exemplarisch sei hier die längst überfällige Flexibilisierung der Arbeitszeit genannt.
Viele Betriebe kämpfen weiterhin mit steigenden Kosten und Personalmangel: Welche zusätzlichen Stellschrauben sieht Ihr Haus, um die Betriebe kurzfristig zu stabilisieren und langfristig zukunftsfähig zu machen?
Entscheidend ist für mich, dass wir unseren Betrieben verlässliche und praxistaugliche Rahmenbedingungen bieten. Sie brauchen mehr Flexibilität, mehr Planungssicherheit und vor allem spürbar weniger Bürokratie – genau dort muss Politik ansetzen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die unternehmerische Eigenverantwortung stärken und den Betrieben die Freiräume geben, die sie brauchen, um sich langfristig erfolgreich und zukunftsfest aufzustellen. Dazu gehören insbesondere mehr Flexibilität beim Arbeitseinsatz, schnellere Verfahren und Rahmenbedingungen, die sich konsequent an der betrieblichen Praxis orientieren.
Die Wirtshauskultur ist ein Kern des bayerischen Tourismusversprechens: Was ist Ihre Strategie, um Traditionsbetriebe, Dorfgasthäuser und familiengeführte Häuser nachhaltig zu sichern?
Wirtshäuser sind in Bayern weit mehr als ein Geschäftsmodell. Sie sind Begegnungsorte, Identitätsanker und oft das Herz unserer Gemeinden. Wer sie erhalten will, muss genau diese Rolle ernst nehmen. Deshalb braucht es steuerliche Fairness, spürbar weniger Bürokratie und eine Politik, die die Bedürfnisse familiengeführter Betriebe ernst nimmt.
Gleichzeitig gilt es, die wirtschaftliche Basis weiter zu stärken – durch regionale Wertschöpfung, durch eine hohe touristische Sichtbarkeit und durch eine noch engere Verzahnung mit Landwirtschaft und Lebensmittelhandwerk.
Mit unserer neuen Initiative Bayern.Vision.Tourismus gehen wir diesen Weg konsequent weiter: Wir wollen aus der Branche heraus Vorschläge erarbeiten, wie wir regionale Wertschöpfung gezielt stärken und die Akteure vor Ort noch besser vernetzen können. Mein Dank gilt dem DEHOGA, der sich aktiv in diesen Prozess einbringt und die Perspektiven des Gastgewerbes klar und konstruktiv vertritt.
Wie kann Bayern die Entlastung nutzen, um Qualität und Erlebniswert weiter zu steigern – ohne dass daraus neue Auflagen oder Bürokratie entstehen?
Die Mehrwertsteuersenkung war eine klare politische Entlastungsentscheidung, und sie darf jetzt nicht durch neue Auflagen oder zusätzliche Bürokratie wieder relativiert werden. Gerade in der aktuellen Kostensituation dürfen die Betriebe nicht durch neue Vorgaben an anderer Stelle wieder belastet werden.
Die Entlastung darf nicht in neue Berichtspflichten münden, sondern muss echten unternehmerischen Spielraum schaffen. Wer in besseren Service, regionale Küche, attraktivere Häuser oder moderne Gästekommunikation investiert, stärkt ganz automatisch Qualität und Erlebniswert. Für mich gilt dabei klar: weniger Vorgaben und mehr Vertrauen in die unternehmerische Verantwortung vor Ort.
Bayern hat sich beim Bürokratieabbau schon lange auf den Weg gemacht. Ich nenne als Beispiele das Verbot der Bettensteuer, das Verbot einer kommunalen Verpackungssteuer oder auch die Einsetzung der bayerischen Enquetekommission zum Bürokratieabbau. Vermittelt durch das Tourismusministerium und unter der Federführung des Bayerischen Beauftragten für Bürokratieabbau, Walter Nussel, fand ein Praxis-Check Gastgewerbe statt. Die bürokratischen Entlastungen werden aktuell erarbeitet.
Welche Rolle spielt die Mehrwertsteuerreduzierung für Investitionen in Modernisierung, Barrierefreiheit und Digitalisierung in gastgewerblichen Betrieben – und welche Förderinstrumente sind dafür aus Ihrer Sicht am wirksamsten?
Die Senkung der Mehrwertsteuer ist ein wichtiger Baustein, um wieder Spielräume für Investitionen zu schaffen, aber sie allein löst die Herausforderungen nicht. Viele Betriebe kommen aus Jahren enormer Belastung und stehen weiterhin unter Druck. In dieser Situation geht es für viele zunächst darum, wirtschaftlich stabil zu bleiben, bevor größere Investitionen wieder möglich sind.
Umso wichtiger ist die Wirkung der Maßnahme: Sie kommt schnell, unbürokratisch und flächendeckend bei allen Betrieben an. Genau das unterscheidet sie von klassischen Förderprogrammen. Gleichzeitig brauchen wir weitere Instrumente, die gezielt Investitionen erleichtern. Deshalb haben wir in Berlin mit dem Wachstumsbooster zusätzliche Anreize geschaffen, damit Betriebe schneller und einfacher zum Beispiel in Modernisierung, Barrierefreiheit und Digitalisierung investieren können. Wenn wieder investiert wird, dann aus einer gestärkten betrieblichen Basis heraus. Die Mehrwertsteuersenkung ist dafür keine Garantie, aber eine entscheidende Voraussetzung.
Welche Impulse setzen Sie, um Ausbildung und Fachkräftesicherung im Gastgewerbe zu stärken – insbesondere für saisonale Regionen und ländliche Räume?
Das Gastgewerbe braucht wieder mehr Rückenwind für Ausbildung, beruflichen Aufstieg und den Schritt in die Selbstständigkeit. Wir müssen jungen Menschen zeigen, dass diese Branche echte Zukunft hat – mit Aufstiegschancen, Verantwortung und echter unternehmerischer Perspektive. Gerade Regionen, die durch eine hohe Saisonalität der Nachfrage geprägt sind, brauchen mehr Flexibilität und bessere Rahmenbedingungen für eine verlässliche Personalplanung.
Dazu gehört auch, dass wir die Einführung der wöchentlichen statt täglichen Höchstarbeitszeit weiter voranbringen. Sie passt deutlich besser zur betrieblichen Realität des Gastgewerbes und zu den Bedürfnissen der Beschäftigten. Fachkräftesicherung gelingt nur, wenn die Arbeit in der Branche attraktiv bleibt und die Betriebe wieder mehr Spielraum für gute Löhne, Qualifizierung und Mitarbeiterbindung haben.
Bayern wirbt stark mit Regionalität: Wie können Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk und Gastronomie noch besser vernetzt werden, damit mehr Wertschöpfung in der Region bleibt?
Regionalität ist ein zentraler Baustein für ein authentisches Bild Bayerns in der Welt. Sie steht für Qualität, Identität und Vertrauen – und sie stärkt zugleich die Resilienz unseres Landes. Deshalb treiben wir die enge Verzahnung von Tourismus, Landwirtschaft und ländlicher Entwicklung konsequent voran.
Mit starken Instrumenten wie dem Zeichen „Geprüfte Qualität – Bayern“, dem „Bayerischen Bio-Siegel“ und der Dachmarke „Genuss Bayern“ geben wir klare Orientierung hin zu regionalen und besonderen Produkten. Sie schaffen Transparenz und leisten einen entscheidenden Beitrag, um Wertschätzung und Wertschöpfung für bayerische Lebensmittel zu steigern. Unsere Heimatagenturen, die Heimatentwickler und die touristischen Netzwerke bringen Erzeuger, Lebensmittelhandwerker und Touristiker erfolgreich zusammen.
Ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor ist dabei auch das starke Engagement der Unternehmen vor Ort. Gleichzeitig machen alle Tourismusregionen ihre regionsspezifische Kulinarik erlebbar – durch Themenwege, Führungen und digitale Angebote – für Gäste ebenso wie für Einheimische. Bayerischer Genuss ist weltweit bekannt und geschätzt – das ist ein echter Trumpf. Diesen Vorteil wollen wir mit unseren Premiumprodukten noch konsequenter nutzen und weiter ausbauen.
Wenn Sie in zwei Jahren Bilanz ziehen: Welche drei Kennzahlen oder Entwicklungen müssten aus Ihrer Sicht positiv sein, damit Sie sagen: „Die Maßnahme hat den Tourismusstandort Bayern spürbar gestärkt“?
Für mich ist klar: Der betriebswirtschaftliche Erfolg unserer Gastgeber ist eine zentrale Voraussetzung für einen starken Tourismus in Bayern. Nur wirtschaftlich gesunde Betriebe können investieren, Arbeitsplätze sichern und die Qualität bieten, für die Bayern steht.
Gleichzeitig habe ich als Tourismusministerin bewusst den breiteren Blick. Tourismus ist dann erfolgreich, wenn er nicht nur Wertschöpfung schafft, sondern auch einen echten gesellschaftlichen Mehrwert bringt – für unsere Gäste ebenso wie für die Menschen vor Ort. Entscheidend ist deshalb, ob wir damit die Lebensqualität in unseren Regionen stärken: mit lebendigen Ortskernen, attraktiven Arbeitsplätzen und einem starken Miteinander.
Ein weiterer wichtiger Maßstab ist für mich die Tourismusakzeptanz. Wenn die Menschen sagen: „Der Tourismus tut unserer Region gut“, dann haben wir vieles richtig gemacht. Dann profitieren nicht nur die Betriebe, sondern die gesamte Region.

