
Vom Besuch zum Erlebnis – echtes Bayern begeistert Gäste
17. Juni 2026
Michaela Kaniber im Gespräch
17. Juni 2026
Vom Besuch zum Erlebnis – echtes Bayern begeistert Gäste
17. Juni 2026
Michaela Kaniber im Gespräch
17. Juni 2026Heimat, Herkunft, Genuss
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lexandra Schenk, Leiterin der Abteilung Ernährung und Markt im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, erklärt, warum regionale Lebensmittel mehr sind als Alltag – und wie Herkunft, Vertrauen und echte Qualität das bayerische Lebensgefühl auf den Teller bringen.

(c) Hauke Seyfarth Fotografie
Heimat ist emotional, Lebensmittel sind alltäglich. Wie schafft man es, beides glaubwürdig miteinander zu verbinden, ohne dass es nur nach Marketing klingt?
Der Schlüssel ist für mich: Emotion darf nicht auf Behauptungen basieren, sondern auf Tatsachen. Zwei gute Beispiele, die wirklich funktionieren:
Unsere Qualitäts- und Herkunftsprogramme „Geprüfte Qualität – Bayern“ und „Bayerisches Bio-Siegel“. Sie genießen bei vielen Verbrauchern ein hohes Vertrauen, weil sie die Herkunft mit höheren Qualitäten und einem dreistufigen, staatlich geprüften Kontrollsystem verbinden. Von Bayern für Bayern – und das nachgewiesenermaßen. Das schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
Gerade junge Menschen achten wieder stärker auf regionale Herkunft und bewussten Konsum. Spüren Sie da einen echten Wandel — und was erwarten diese Zielgruppen heute von bayerischen Produkten?
Ja, aus unserer Sicht sind junge Menschen heute schon sehr offen für Lebensmittel aus der Region. Unsere repräsentative Bayerische Ernährungsstudie hat ergeben, dass 60% der jungen Erwachsenen – im Alter von 18-24 Jahren – schon bewusst regionale Lebensmittel einkaufen und weitere 30% wollen dies zukünftig tun. In den höheren Altersgruppen über 25 Jahren haben 80 bis 90% der Teilnehmer regionale Lebensmittel gekauft. Es gilt also, je älter, desto mehr Menschen kaufen regionale Lebensmittel, aber das Bewusstsein dafür ist bei den jüngeren Menschen auch schon vorhanden.
Dabei waren laut unserer Ernährungsstudie mögliche Umweltvorteile regionaler Lebensmittel nicht der Hauptgrund für den hohen Zuspruch bei jungen Erwachsenen. Man kann also davon ausgehen, dass beim Kauf regionaler Produkte eher klassische Faktoren wie Geschmack, Herkunft und Identifikation mit regionalen Marken oder Produkten für die jungen Menschen im Vordergrund stehen.
Was macht bayerische Lebensmittel aus Ihrer Sicht so unverwechselbar?
Die Geschichte dahinter: Lebensmittel, Rezepte und Gerichte sind immer ein Ergebnis der Menschen und Regionen, aus denen sie stammen. Bayerische Spezialitäten sind deshalb immer auch Botschafter ihrer Region. Besondere Rezepte aus allen Regionen Bayerns findet man bspw. unter https://www.weltgenusserbe.bayern/rezepte/
Bayern hat inzwischen über 50 EU-geschützte Spezialitäten: Welche drei davon sind aus Ihrer Sicht echte „Hidden Champions“?
Alle 54 geschützten bayerischen Spezialitäten sind echte Champions, hier nur drei hervorzuheben ist schwierig. Eine echte Rarität ist z.B. das Bamberger Hörnla g.g.A.: Die kleine, fingerförmige Kartoffel überzeugt mit einem besonders feinen, nussigen Geschmack und einem zartweichen, saftigen Mundgefühl bei festem Biss.
Sie ist auch eine perfekte Begleitung zu unseren geschützten Karpfen, bspw. dem Aischgründer oder Oberpfälzer Karpfen g.g.A.: Ein großartiges, hochwertiges Lebensmittel! Und die traditionelle Karpfenteichwirtschaft in Bayern wurde sogar als immaterielles Kulturerbe geschützt.
Im Frühjahr lieben Gäste auch Spargel zu Kartoffeln. Neben Schrobenhausener oder Fränkischem Spargel ist auch der Abensberger Spargel g.g.A. ein echtes Schmankerl. Kaum ein Gemüse wird jedes Jahr so sehnsüchtig erwartet und steht wie kein zweites für regionalen und saisonalen Genuss.
Mit Sicherheit nicht „hidden“, aber eben dennoch „Champion“: Ein Silvaner aus Franken g.U. passt übrigens hervorragend dazu!
Im Ausland sind bayerische Lebensmittel stark gefragt, besonders Käse, Milchprodukte und Fleischwaren; Welche Produkte öffnen Bayern international derzeit am besten die Türen – und womit überraschen Sie ausländische Partner oder Kunden am meisten?
Zunächst: Rund 80 % der landwirtschaftlichen Produktion bleibt in Bayern. Aber auch im Ausland sind bayerische Produkte gefragt. Nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Landesamtes stieg der Export von Produkten der bayerischen Land- und Ernährungswirtschaft im Jahr 2025 um 5,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 13,34 Mrd. Euro. Am meisten im Ausland nachgefragt werden Fleisch und Fleischwaren sowie Milch und Milcherzeugnisse. Der wichtigste Absatzmarkt war Italien, gefolgt von Österreich und den Niederlanden. Insgesamt wurden 79 % aller ernährungswirtschaftlichen Erzeugnisse in die EU-27 ausgeführt. Gut ein Fünftel der ernährungswirtschaftlichen Exportprodukte wurden außerhalb des EU-Binnenmarktes abgesetzt.
Für uns bedeutet das: Unsere Handelspartner sind in erster Linie unsere Nachbarn. Das ist mir ganz wichtig: Export ist kein Produkt einer zu intensiven Landwirtschaft. Hier betreiben wir einen Handel auf Augenhöhe – bestes Beispiel ist Italien mit einer ausgeglichenen Handelsbilanz. Dem Export von Milch und Fleisch steht die Einfuhr von Obst und Gemüse gegenüber – hier handeln Nachbarn mit dem, was die jeweilige Region am besten kann.
Wonach greifen Gäste aus dem Ausland zuerst – nach dem bekannten Klassiker oder nach dem Produkt mit der spannendsten Herkunftsgeschichte? Und was sagt das über das heutige Bild von Bayern aus?
Bayerisches Bier, Frankenwein, Allgäuer Bergkäse, Obazda, Nürnberger Bratwürste, Kässpatzn, Weißwürste und süßer Senf – das sind sicher die ersten Produkte, die Gäste mit Bayern verbinden. Bayern ist zu Recht berühmt für seine bodenständigen und unverfälschten Lebensmittel – kein Schickschnack, sondern purer Genuss. Bayern kann aber natürlich noch viel mehr. Das sehen wir in der Gastronomie besonders: Wir stehen zur Saisonalität – bestes Beispiel ist der Spargel. Und wir stehen zur Regionalität – auch das wissen unsere Gäste zu schätzen. Das macht bayerische Küche authentisch.
Wenn Sie einem Gast, der Bayern zum ersten Mal besucht, nur ein einziges Produkt in die Hand geben dürften, um ihm das echte „Mein Bayern“-Gefühl mitzugeben: Welches wäre das?
Ganz klar eine Butterbreze. Regionale Zutaten – von Landwirt und Molkerei, Mühle und Bäcker – dazu handwerkliche Tradition. Das macht die Butterbreze zum perfekten Begleiter – egal ob im Biergarten oder Business-Meeting.
Wenn Sie in einem Satz sagen müssten, warum Heimat, Gastgewerbe und Lebensmittelqualität zusammengehören — wie würde dieser Satz lauten?
Egal ob für uns Einheimische oder unsere Gäste aus aller Welt – bayerische Speisen und Getränke spiegeln unsere Heimat in besonderer Weise wider – die bayerische Kulturlandschaft, das besondere Lebensgefühl und die vielen Hände, die es braucht, um diesen Genuss jeden Tag auf den Tisch zu bringen. Heimat kann man schmecken und Heimat schmeckt!
