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22. September 2025"Entspannung ist anziehend"
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utz Herkenrath, bekannt aus der Kultserie Ritas Welt, steht heute vor allem als Vortragsredner, Trainer und Coach auf der Bühne. Beim Gastgebertag des DEHOGA Bayern im Oktober spricht er über Charisma und Ausstrahlung. Im Gespräch erklärt er, was gute Gastgeber ausmacht – und warum Authentizität immer stärker wirkt als Perfektion.

© Friedrun Reinhold
Herr Herkenrath, erinnern Sie sich an ein Zusammentreffen mit einem Gastgeber, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ich verbringe rund 100 Nächte im Jahr in Hotels. Besonders schön ist es, wenn man beim Betreten der Rezeption persönlich angesprochen wird, wenn man merkt: Die Mitarbeiter erinnern sich, sie freuen sich, dass man wieder da ist. Das ist jedes Mal ein Gänsehautmoment, denn bei der Fülle an Gästen ist das keine Selbstverständlichkeit.
Welche Kriterien sind Ihnen bei der Hotelauswahl wichtig?
Ganz pragmatisch: dichte Zimmertüren, lichtdichte Gardinen, gute Erreichbarkeit vom Bahnhof – ich fahre ausschließlich Bahn – und, wenn möglich, eine Sauna. Ein Upgrade in eine Suite macht mir dagegen keine Freude, denn am wichtigsten ist mir erholsamer Schlaf.
Und was schätzen Sie in Restaurants?
Ich bevorzuge einfache, authentische Küche. Wichtig ist mir eine angenehme Lautstärke. Und ich bewundere Gastgeber, die es schaffen, sofort eine persönliche Beziehung herzustellen. Auch wenn man sich nie wiedersieht, spürt man in diesem Moment eine zugewandte Haltung – das ist echte Professionalität.
Sie sprechen beim Gastgebertag über Charisma. Ist das eine angeborene Gabe oder kann man es lernen?
Viele glauben, Charisma sei gottgegeben. Ich bin überzeugt: Es ist zum Teil Handwerk. Und wir alle hatten Charisma – als Kleinkind. Kinder sind authentisch, ohne Leistungsdruck. Der Satz „Jetzt kommt es darauf an, jetzt muss ich gut sein“ ist der beste Ausstrahlungskiller, den es gibt.
Wie gelingt das in der Praxis?
Indem ich mich auf meine innere Haltung besinne. Was ist meine Aufgabe? Als Gastgeber: willkommen heißen. Wenn ich mich darauf fokussiere, entsteht Ausstrahlung automatisch. Verspannung ist abstoßend, Entspannung dagegen anziehend. Wie Spitzensportler vor einem Wettlauf dürfen wir nicht verkrampfen. Locker bleiben, aber fokussiert.
Wie bereiten Sie sich selbst auf einen Auftritt vor?
Ich habe Rituale: spezielle Musik, Affirmationen. Den Inhalt habe ich vorher erledigt, vor dem Auftritt geht es nur noch um die innere Gestimmtheit. Auch Hoteliers oder Gastronomen können davon profitieren: Wer Gäste empfängt, sollte sich innerlich darauf einstimmen. Herzlich willkommen, schön, dass Sie da sind – das wirkt nur, wenn es ernst gemeint ist. Und wenn ich mal gestresst bin, spiele ich nicht die Wellnessoase: Wenn ich Stress habe, habe ich Stress. Ich versuche nicht so zu tun, als hätte ich keinen.
Muss man dafür extrovertiert sein?
Überhaupt nicht. Ein trainierter Intro ist viel besser als ein untrainierter Extro. Ich kann mit den Augen strahlen, muss kein Entertainer sein. Entscheidend ist: Bin ich bereit, jemanden willkommen zu heißen?
Und wie steht es mit Körpersprache?
Ich rate nicht dazu, bewusst an einzelnen Gesten zu feilen. Wichtig ist eine innere Aufrichtung – nicht gebeugt, nicht gekünstelt. Alles andere sollte so kommen, wie es einem entspricht. Authentizität ist entscheidend.
Gastgeber begrüßen nicht nur einen Gast, sondern viele – Tag für Tag. Wie bleibt man dabei frisch?
Schauspieler haben das gleiche Problem: Ein Stück wird hunderte Male gespielt, und doch muss es lebendig wirken. Ich gebe mir jedes Mal ein Motto nur für heute. Dadurch bleibt es spannend. Auch Gastgeber können sich jeden Tag ein neues Motto geben, damit die Offenheit bleibt.
Haben Sie drei kurze Tipps, wie man nachhaltig wirkt?
- Sei du selbst – irgendwann kommt es sowieso raus.
- Sorge dafür, dass deine innere Haltung zu deiner Aufgabe passt.
- Versuche nicht perfekt zu sein – das macht nur Stress.
