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hne Menschen wie sie wären Volksfeste nicht denkbar: Ein Gespräch mit Jasmina K., Reinigungskraft auf der Wiesn.

Foto: Mike Hilzinger
Wenn es wieder heißt "O'zapft is!", krempelt sie die Ärmel hoch, wappnet sich mental und macht die Nacht zum Tag: Jasmina K. ist Reinigungskraft auf der Wiesn. Schichtbeginn: 23.00 Uhr. Schichtende: 8.00 Uhr. Wo zehntausende Kehlen ein "Prosit der Gemütlichkeit" singen, ist die konfrontiert mit - sagen wie mal: "Allem, was aus einem Menschen herauskommen kann". Sie sorgt dafür, dass zwei Wiesn-Zelte jeden Tag erneut glänzen, Toiletten hygienisch einwandfrei sind, Bänke wieder zum Sitzen und Feiern einladen. Ein Knochenjob, der in den letzten Jahren noch härter geworden ist. "Die Menge an Müll und Schmutz hat zugenommen. Da muss man nicht nur körperlich fit sein. Man braucht auch mentale Stärke. Viele halten das, was wir sehen, riechen und wegputzen müssen, nicht aus", erzählt Jasmina. "Es ist unglaublich, zu welchem Schmutz Menschen fähig sind - vor allem unter Alkoholeinfluss."
Dabei ist für sie klar: "Am Wochenende ist es noch schlimmer als unter der Woche. Und Frauentoiletten sind stärker verschmutzt als Männerklos." Zwischen all dem Dreck finden sie und ihr Team auch immer wieder Wertgegenstände: Smartphones, Jacken, Geld, Schmuck aber auch Kondome oder gar Drogen. Als Objektleiterin koordiniert Jasmina ein Team von 15 Personen. In festgelegten Abläufen bringen sie das Zelt wieder auf Hochglanz, entfernen den Müll, wecken schlafende Gäste und wehren sich gegen Übergriffe von Alkoholisierten. "Es ist unfassbar, was wir alles zu Gesicht bekommen. Da rennen schon mal Nackte nachts vor dem Zelt rum oder Pärchen haben vor aller Augen Sex", wundert sich Jasmina.
Ihr Team sammelt im Zelt zuerst Müll und leere Bierkrüge. Nach einer Reinigung mit dem Besen kommt der Dampfreiniger zum Einsatz. Die Treppen müssen aber mit der Hand geputzt werden, denn der Dampfreiniger würde sonst die Wände nass spritzen. Jasmina packt überall mit an, motiviert ihr Team, bleibt aber auch ruhig, wenn Mitarbeiter mal nicht kommen. "Letztes Jahr sind plötzlich sechs Kollegen ausgefallen. Das muss man abfedern können. Auch wenn mal der Dampfreiniger den Geist aufgibt oder der Strom weg ist."
Zu Beginn der Wiesn-Zeit ist si nach zwei bis drei Stunden Nachtarbeit bereits enorm erschöpft. "Doch dann gewöhnt man sich an den Arbeitsrythmus. Und zu Hause geht's weiter: Essen zubereiten für die Kinder, Hausaufgaben kontrollieren", erzählt die zweifache alleinerziehende Mutter. Schlafmangel ist in dieser Woche vorprogrammiert. Ebenso Gewichtsverlust.
Was nervt an dem Job? "Die fehlende Wertschätzung bei Gästen. Belästigung durch Alkoholisierte. Und Kellner, die am Abend noch an der Bierbank sitzen und den Platz nicht freigeben zum Reinigen", seufzt Jasmina.
Obwohl sie schon an dem Punkt war: "Nie wieder!", ist sie doch stets erneut mit dabei: "Der Zusammenhalt unter Kollegen motiviert mich jedes Mal. Zudem haben wir ein tolles Verhältnis zum Chef. Er lobt uns für unsere Arbeit und ich freue mich, wenn alles passt. Ja, der Job ist fordernd, aber es ist auch lustig und bereichernd - ich mach's gerne!" lacht Jasmina.
