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21. September 2026Musik- und Szenegastronomie
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ierk Beyer, Vorsitzender der Fachabteilung Musik & Szene beim DEHOGA Bayern, spricht mit Landesgeschäftsführer Thomas Geppert über neue Erwartungen der Gäste, über Lärmschutz und stille Tage – und darüber, warum Minijobs und flexiblere Arbeitszeiten für die Nachtgastronomie unverzichtbar sind.

Dierk, Du bist seit knapp 30 Jahren in der Branche. Wie schwierig ist die Lage für Clubs und Musiklokale derzeit?
Wir erleben momentan einen strukturellen Wandel im Ausgehverhalten. Die Branche ist wirklich gefordert. Wir müssen uns viel stärker als früher neue Konzepte ausdenken und sehr nah am Gast sein. In den knapp 30 Jahren, in denen wir im Geschäft sind, war es meiner Meinung nach noch nie so schwierig, den Gast zu erreichen. Gleichzeitig steigen überall die Preise. Deshalb sind wir auf bezahlbare Rahmenbedingungen und vor allem auf Planungssicherheit angewiesen. Gastronomiebetriebe investieren häufig sechsstellige Summen. Dafür brauchen sie langfristige und verlässliche Perspektiven.
Was hat sich beim Ausgehverhalten verändert?
Das beschäftigt uns natürlich sehr. Wir hören aus ganz Bayern, dass sich die Situation verändert hat. Im ländlichen Raum sind die Probleme teilweise noch größer, weil dort beispielsweise Touristen fehlen, die zusätzlich in die Clubs kommen. Ich denke, dass sich vor allem das Lebensumfeld und die Interessen junger Menschen verändert haben. Heute braucht es viel stärker besondere Events. Es braucht einen DJ, einen Künstler oder etwas anderes, das einen echten Erlebnisfaktor schafft. Früher hat man sich am Freitag- oder Samstagabend einfach in einem bestimmten Club getroffen, weil man wusste: Da ist etwas los, da treffe ich andere Leute. Das allein reicht heute häufig nicht mehr.
Gleichzeitig hat kaum ein anderer Bereich des Gastgewerbes mit so vielen besonderen Auflagen zu kämpfen. Wo müsste die Politik praxistauglicher werden?
Gerade in den Städten sehen wir ein grundsätzliches Problem. Es gibt zum Beispiel Kioske, die Bier verkaufen. Auf der anderen Seite stehen Gaststätten, Clubs und Diskotheken mit Türstehern, Personal und zahlreichen Auflagen. Diese Angebote stehen miteinander im Wettbewerb, allerdings unter völlig unter schiedlichen Bedingungen. Hinzu kommt, dass Wohnbebauung teilweise immer näher an bestehende Spielstätten und Clubs heranrückt und dadurch Probleme beim Lärmschutz entstehen. Die maßgebliche TA Lärm („Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm“, eine Verwaltungsvorschrift, Anmerkung der Redaktion) stammt aus den 1990er-Jahren. Unsere Städte haben sich seitdem verändert. Wenn wir ein vielfältiges Nachtleben wollen, brauchen wir darauf neue Antworten. Wenn jemand beispielsweise Wohnbebauung an einen bestehenden Club heranbaut, sollte er auch dafür sorgen müssen, dass dort der notwendige Schallschutz gewährleistet ist. Sonst sehe ich für eine innenstadtnahe Club- und Ausgehkultur schwarz. Dabei brauchen wir Clubs für vielfältige und lebendige Städte – und zwar auch mitten in der Stadt.
Ein Dauerthema sind die stillen Tage. Was müsste sich hier ändern?
Wir brauchen mehr Offenheit und eine praktikablere Regelung. Wenn ich einen vollen Club habe und um zwei Uhr nachts schließen muss, stehen auf einmal vielleicht 500 Menschen auf der Straße. Das ist weder für die Anwohner noch für die Gäste von Vorteil. Deshalb müssen wir bei diesem Thema weiter auf eine Liberalisierung drängen. Hinzu kommt, dass die Menschen heute später ausgehen. Wenn um zwei Uhr Schluss sein muss, verliert ein Club damit faktisch bereits einen erheblichen Teil des Vorabends. Man kann natürlich versuchen, Veranstaltungen früher beginnen zu lassen. Aber das funktioniert nicht überall. Die jetzige Regelung ist für unsere Branche schlicht nicht praktikabel.
In München wird über einen städtischen Club im ehemaligen Ratskeller diskutiert. Wie siehst Du diese Pläne?
Die Grundidee, jungen Veranstaltern und Kollektiven einen Raum zu geben, in dem sie Veranstaltungen durchführen können, ist zunächst einmal nicht verkehrt. Aber wir befinden uns gerade in einer Situation, in der bestehende Clubs stark unter Druck stehen und teilweise freie Veranstaltungstage und Kapazitäten haben. Unser Vorschlag ist deshalb: Warum bringt man solche Veranstaltungen nicht in die bestehenden Clubs, bevor man mit städtischer Förderung einen zusätzlichen Wettbewerber schafft? Dafür sehe ich momentan keinen Grund. In den Ratskeller passen rund 1.000 Menschen. Wenn gleich zeitig bestehende Clubs in der Stadt ums Überleben kämpfen und Förderprogramme für Clubs eingeschränkt werden, halte ich es für falsch, mitten in der Innenstadt eine zusätzliche, öffentlich unterstützte Konkurrenz aufzubauen.
Der DEHOGA fordert seit Jahren eine Umstellung von der täglichen Höchstarbeitszeit auf eine wöchentliche Betrachtung. Warum wäre das gerade für Eure Branche wichtig?
Wir funktionieren völlig anders als ein klassischer Bürobetrieb. Unsere Arbeitszeiten liegen nachts und am Wochenende. Viele Clubs haben nur an zwei Tagen in der Woche geöffnet. Deshalb brauchen wir flexible Lösungen. Das wünschen sich auch viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Natürlich darf der Arbeitsschutz darunter nicht leiden. Aber ich bin überzeugt, dass sich beides miteinander verbinden lässt: ein moderner Arbeitsschutz und Arbeitszeitregelungen, die zu den tatsächlichen Abläufen unserer Branche passen.
Ähnlich wichtig sind für Euch Minijobs. Warum?
Minijobs sind im Clubbereich eine wesentliche Basis der Beschäftigung. Viele Betriebe haben hauptsächlich freitags und samstags geöffnet. Wir haben eben keine klassische Sieben-Tage-Woche und funktionieren nicht von Montag bis Freitag zwischen neun und 17 Uhr. Gleichzeitig ist die Club- und Nachtgastronomie sehr personalintensiv. Deshalb brauchen wir flexible und einfache Beschäftigungsmodelle, die solche Teilzeitbeschäftigungen ermöglichen. Würden Minijobs deutlich unattraktiver gemacht, wäre das für unsere Branche ein großes Problem.
Clubs verstehen sich zunehmend auch als Kulturorte. Sollte sich das steuerlich beim Eintritt widerspiegeln?
Clubs sind Teil der kulturellen Infrastruktur und ein Stück Kultur. Deshalb halte ich einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz auf Eintrittspreise für sinnvoll. Unter bestimmten Voraussetzungen ist das heute bereits möglich, etwa bei künstlerischen DJs oder Bands. Allerdings muss man die entsprechenden Voraussetzungen gegenüber dem Finanzamt nachweisen, und das ist sehr aufwendig. Eine generelle und klare Regelung für Clubs wäre deshalb eine große Hilfe.
Zum Schluss: Warum lohnt es sich gerade für die Musik- und Szenegastronomie, ihre Interessen gemeinsam unter dem Dach des DEHOGA Bayern zu vertreten?
Corona hat sehr deutlich gezeigt, wie wichtig ein Verband ist, der für die Branche sprechen kann, Informationen weitergibt und ihre Interessen bündelt. Ich glaube, spätestens damals hat jeder gemerkt, wie wichtig eine starke gemeinsame Vertretung ist. Ich selbst bin sehr gerne DEHOGA-Mitglied und nutze die Informationen des Verbandes regelmäßig. Sie helfen mir in meiner täglichen Arbeit. Das kann ich jedem empfehlen, der einen Club betreibt.
Das ganze Gespräch jetzt nachhören in unserem neuen DEHOGA Bayern spezial-Podcast. Exklusiv in der oneDEHOGA-App!



