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18. Dezember 2025Abschied nach über 36 Jahren
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ngrid Hartges, seit 2006 Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA-Bundesverbands, verabschiedet sich nach über 36 Jahren Einsatz für die Branche. Im Gespräch mit Angela Inselkammer, Präsidentin des DEHOGA Bayern, blickt sie auf bewegte Jahre zurück – von der Corona-Pandemie bis zum Ringen um die Mehrwertsteuer. Und sie erklärt, warum Einigkeit und Teamgeist für die Zukunft des Gastgewerbes entscheidender sind als je zuvor.

© DEHOGA – Thomas Fedra
Liebe Ingrid, bevor wir über Politik sprechen: Wie hat alles angefangen? Wie bist Du überhaupt zur Gastronomie gekommen?
Ich bin in einem kleinen Familienbetrieb mit landwirtschaftlicher Kornbrennerei sowie Wein- und Spirituosenhandel aufgewachsen – der Kontakt zur Gastronomie war also von klein auf da. Während meines Jurastudiums in Würzburg habe ich dann selbst in der Gastronomie, im bekannten „Nachtwächter“, gearbeitet und u.a. auch ein Praktikum im Hotel Rebstock absolviert. Das waren wunderbare Jahre – mit vollem Einsatz, langen Nächten und einem tollen Team. Ich habe da gelernt, was unsere Branche ausmacht: Leidenschaft, Gastfreundschaft, Organisation, Improvisation, Kommunikation.
Und was führte Dich zum DEHOGA?
Die Vielfalt der rechtlichen Themen habe ich bereits während des Studiums und meiner Tätigkeit in der Gastro kennengelernt. Und so Ingrid Hartges, seit 2006 Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA-Bundesverbands, verabschiedet sich nach über 36 Jahren Einsatz für die Branche. Im Gespräch mit Angela Inselkammer, Präsidentin des DEHOGA Bayern, blickt sie auf bewegte Jahre zurück – von der Corona-Pandemie bis zum Ringen um die Mehrwertsteuer. Und sie erklärt, warum Einigkeit und Teamgeist für die Zukunft des Gastgewerbes entscheidender sind als je zuvor. bewarb ich mich erfolgreich beim DEHOGA Bundesverband für die Wahlstation in der Referendarzeit. Nach dem zweiten juristischen Staatsexamen erfolgte die Anstellung als Referentin. Das war der Beginn einer langen, spannenden Reise, die mich nie mehr losgelassen hat.
Du hast den DEHOGA fast zwei Jahrzehnte geprägt. Was war Dir in dieser Zeit besonders wichtig?
Mir war immer wichtig, dass wir als DEHOGA, ob im Bund oder in den Ländern, mit einer klaren, starken Stimme sprechen. Wir vertreten viele unterschiedliche Betriebstypen – von der kleinen Eckkneipe bis zum Luxushotel – und das gelingt nur, wenn wir zusammenhalten. Denn: Gemeinsam sind wir alle definitiv stärker!
Wie schwierig ist es, diese Einheit in einer so vielfältigen Branche herzustellen?
Es ist eine Daueraufgabe. Der DEHOGA ist, wie der Staat und seine politischen Entscheidungsebenen, föderal aufgebaut. Die politische Interessenvertretung ist dann erfolgreich, wenn wir geeint, abgestimmt und zielgerichtet unsere Forderungen nebst Argumenten im Bund wie in den Ländern positionieren. Das ist unsere Stärke. Wenn alle an einem Strang ziehen, sind wir schlagkräftig.
Du hast immer wieder betont, wie wichtig starke Netzwerke sind. Wie baut man so etwas auf?
Man muss Lust auf Menschen haben. Ich habe von Anfang an den direkten Austausch gesucht – mit Politikern aller demokratischen Parteien, Kollegen anderer Verbände, mit Journalisten, mit Unternehmern. Nur wer den Alltag der Betriebe wirklich kennt, kann ihre Interessen glaubwürdig vertreten. Dieses Nah-Dran-Sein an der Praxis hat mich immer geleitet.
Gab es in Deiner Laufbahn politische Erfolge, die Dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Ja, einige. Wir haben zum Beispiel erreicht, dass die Minijob-Regelung erhalten blieb und die Trinkgeldbesteuerung abgeschafft wurde. Ein Meilenstein war 2009 die Einführung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für die Hotelübernachtung – auch wenn es bitter war, dass die Gastronomie damals außen vor blieb. Später, während der Corona-Pandemie, konnten wir gemeinsam mit großem Einsatz Unterstützungspakete durchsetzen sowie auch die Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie – leider befristet bis Ende 2023. Das war die härteste, aber auch die wichtigste Phase meiner Amtszeit. Die Branche zu retten war größte Aufgabe und Verpflichtung!
Du sprichst die Corona-Zeit an – wie hast Du diese Phase persönlich erlebt?
Das war ein Ausnahmezustand. Wir haben Tag und Nacht gearbeitet, täglich Newsletter verschickt, Interviews gegeben, Hilfen eingefordert. Es war eine extreme Belastung, aber auch eine Zeit, in der unsere Branche enger zusammengerückt ist als je zuvor. Die Medien und die Öffentlichkeit haben da gespürt, welche hohe gesellschaftliche Bedeutung Gastronomie und Hotellerie haben. Ohne unsere „öffentlichen Wohnzimmer“ fehlt dem Land ein Stück Lebensfreude.
Was macht den DEHOGA für Dich heute stark?
Unsere Mitglieder. Sie geben uns die Legitimation, unsere Arbeit zu tun. Deswegen ist Mitgliedergewinnung so wichtig – jedes neue Mitglied stärkt unsere Stimme. Denn ein Verband ist nur gut, wenn er seinen Mitgliedern dient. Und der DEHOGA lebt von dem großartigen ehrenamtlichen Engagement auf allen Verbandsebenen.
In den kommenden Monaten übernimmt Jana Schimke Ihre Nachfolge. Was wünschst Du ihr für den Start?
Ich wünsche ihr eine glückliche Hand, Neugier und Freude an der Branche. Sie bringt viel politische Erfahrung mit – jetzt gilt es, möglichst viele Gastwirte und Hoteliers kennenzulernen, ihre Anliegen direkt zu hören. Wenn man sich mit der Branche identifiziert, spürt man schnell, wie besonders sie ist: lebendig, vielfältig, manchmal anstrengend – aber unglaublich inspirierend und liebenswert.
Und Du selbst – worauf freust Du Dich nach so vielen Jahren an der Spitze?
Auf mehr Zeit für mich. Ich werde wieder meine niederrheinische Heimat genießen, Freundschaften pflegen, reisen und Tennis spielen. Ein ist gewiss: Der Branche bleibe ich verbunden und freue mich auf viele Genusserlebnisse.
Zum Schluss: Was ist Deine wichtigste Botschaft an die Branche?
Wir müssen zusammenstehen. Nur gemeinsam können wir die großen Herausforderungen bewältigen. Der DEHOGA ist ein starker Verband. Bringen Sie sich ein! Investieren Sie in die Ausbildung, denn das ist Zukunftssicherung pur.
