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25. Juni 2026Hermann Auer Im Gespräch
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om Schloss Nymphenburg aus steuert Hermann Auer die Bayerische Schlösserverwaltung – und damit einige der bekanntesten Kulturorte des Freistaats. Im Interview spricht der Leiter der Bayerischen Schlösserverwaltung über Besucherlenkung, touristisches Potenzial und die Frage, wie sich Denkmalschutz und Erlebnisqualität in Einklang bringen lassen.

© Bayerische Schlösserverwaltung, Veronika Freudling
Herr Auer, Ihr Büro liegt im Schloss Nymphenburg. Das klingt märchenhaft schön. Wie dürfen wir uns Ihren Arbeitsalltag vorstellen?
Hermann Auer: Ich sitze tatsächlich an einem Traum-Arbeitsplatz, direkt am grünen Schlosspark. Trotzdem verlaufen meine Arbeitstage eher routinemäßig. Von früh an laufen die Mails ein, ein Meeting folgt aufs nächste. Projekte wollen abgestimmt, Baufortschritte geprüft und Budgetfragen geklärt werden. Dazu führe ich Telefonate im Austausch mit unseren Außenverwaltungen sowie den Städten und Gemeinden. Und doch ist jeder Tag besonders. Denn wir bewahren Bayerns bedeutendste Bau- und Gartendenkmäler für kommende Generationen. Möglich machen das rund 1300 hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Herzblut dabei sind – darauf bin ich stolz.
Welcher Ort aus dem Bereich der Schlösser, Gärten und Seen repräsentiert für Sie am stärksten Bayern – und warum gerade dieser?
Das Bayern-Symbol schlechthin ist sicherlich die Bavaria auf der Theresienwiese. Die über 18 Meter hohe Bronzestatue verkörpert die Stärke und den Stolz des Freistaates. Schwert, Löwe und Eichenkranz stehen für Wehrhaftigkeit, Freiheit und Zusammenhalt. 2025 durften wir das 175-jährige Jubiläum der Bavaria feiern und erzielten ein Besucherplus von gut 24 Prozent. Ich werte dies als schönes Signal, dass dieses Wahrzeichen lebendig bleibt. Für das Jubiläum haben unsere Restauratoren die Bronzehaut der Statue gereinigt, die innenliegende Treppe erneuert und die Beleuchtung modernisiert. So bewahren wir das Denkmal für die Zukunft und öffnen es weiter für die Besucherinnen und Besucher.
Die von Ihrer Verwaltung betreuten Orte ziehen jedes Jahr rund fünf Millionen Gäste an. Wie gelingt es, diese starke touristische Anziehungskraft mit Denkmalschutz, Authentizität und einem guten Besuchserlebnis in Balance zu halten?
Fünf Millionen Gäste pro Jahr klingen zunächst gewaltig. Aber wir steuern die Besucherströme gezielt. In Neuschwanstein erhält man mit der Onlinebuchung des Tickets die Führungszeit und damit das Zeitfenster für einen Besuch – zur gleichen Zeit kommen dann nur so viele Menschen, wie das Denkmal auch verträgt. In Linderhof gilt das gleiche Prinzip. Auch in der Residenz München hilft das Online-Ticket-System, Warteschlangen aufzulösen. So werden die historischen Räume geschont und unsere Gäste können diese in Ruhe erleben.
Mit der UNESCO-Aufnahme der Königsschlösser Ludwigs II. hat Bayerns Kulturlandschaft noch einmal internationale Strahlkraft gewonnen. Was bedeutet das konkret für das Gastgewerbe vor Ort – also für Hotels, Gastronomie, Ausflugsanbieter?
Der UNESCO-Titel für die Königsschlösser ist natürlich ein großer Erfolg. Für Hotels und Gastronomie heißt das: mehr internationale Aufmerksamkeit, planbarere Saisons, gegebenenfalls auch längere Aufenthalte. Für die Preise oder das Angebot vor Ort können aber nur die Betriebe selbst sprechen.
Bayern wird von vielen Gästen als Gesamterlebnis wahrgenommen: Schloss, Landschaft, See, Biergarten, Wirtshaus, Übernachtung. Ihre Meinung: Vermarktet sich das Land damit gut (genug)? Oder gibt es blinde Flecken?
Bayern pflegt ein hervorragendes Image. Die Welt verbindet uns mit lebendigen Traditionen, Biergartenkultur, Bergen und unseren einmaligen Schlössern, Gärten und Seen. Bayern ist authentisch, bodenständig und zugleich innovativ. Wir zeigen der Welt, dass Lebensfreude und Qualität hier in Bayern zusammengehören. Genau diese Mischung macht den Freistaat zum Sehnsuchtsort für viele Menschen weltweit.
Die Schlösserverwaltung ist längst mehr als reine Denkmalpflege: Sie betreut auch Gärten und Seen, veranstaltet kulturelle Programme und arbeitet an vielen Orten mit Catering, Hotellerie und touristischen Partnern zusammen. Wo sehen Sie hier das größte ungenutzte Potenzial für regionale Wertschöpfung?
Das größte Pfund, das es noch auszuschöpfen gilt, liegt vermutlich in unseren digitalen Angeboten. Plattformen und die KI bündeln Informationen beispielsweise zu Wegen, Öffnungszeiten oder Events und spielen sie in Apps und Portalen aus. So kann theoretisch jeder kleine Hofladen, jede regionale Brauerei und jedes Schlossfest, sofern gewollt, weltweit sichtbar werden.
Wenn Sie zehn Jahre vorausblicken: Wie soll ein gelungenes „Bayern-Erlebnis“ 2036 aussehen – für Einheimische und internationale Gäste? Und welche Rolle sollen Schlösser, Gärten, Seen und das Gastgewerbe darin jeweils spielen?
Leider besitze ich noch keine Glaskugel, doch das Jahr 2036 stelle ich mir persönlich so vor: Man bucht die Anreise, das Zeitfenster des Besuchs, die Brotzeit in der Schlossgaststätte und das Hotel mit zwei Klicks, reist klimafreundlich an und findet vor Ort lebendige Geschichte. Unsere Schlösser sind kulturelle Zentren mit Ausstellungen, Konzerten und Virtual-Reality-Einblicken in längst vergangene Zeiten. Und das Wichtigste: Tourismus und der Alltag der einheimischen Bevölkerung laufen im Gleichklang.
Gibt es einen bayerischen Ort, an dem Sie privat besonders zur Ruhe kommen – eher Schlosspark, Seeufer, Altstadt oder Wirtshausstube?
Zur Ruhe komme ich, wenn ich nach Dienstschluss eine kleine Runde durch den Nymphenburger Schlosspark schlendere. Ein paar Schritte unter den Baumriesen, das Knirschen der Kieswege, das Plätschern der Bachläufe – danach ist der Kopf wieder frei.
Zum Abschluss: Ihr persönlicher Geheimtipp für einen Besuch in Bayern?
Mein Geheimtipp ist die Residenz in Ansbach mit ihrer stilistisch einheitlichen und ausgezeichnet erhaltenen Innenausstattung. Dort strahlt seit Abschluss der Restaurierung im Jahr 2025 der barocke Festsaal wieder in historischem Glanz. Wer die Decke betrachtet, entdeckt einen ganzen Himmel voller Geschichten, frisch gereinigt und leuchtend. Ein echter Schatz in Mittelfranken.
