parallax background

Traumroute mit enormem Potenzial

Gastgeber Bayern – Ausgabe 02/2019
6. Juni 2019
Nachhaltigkeit und die Tourismusbranche
29. August 2019

Vom Ostufer des Bodensees bis zum Königssee im Berchtesgadener Land schlängelt sich eine der beliebtesten Ferienstraßen der Republik – die Deutsche Alpenstraße. Auf insgesamt 450 Kilometern warten atemberaubende Panoramablicke, unzählige Schlösser, traumhafte Seen, kulinarische Köstlichkeiten und jede Menge Ausflugsmöglichkeiten. Der ADAC Südbayern hat sich in den vergangenen Jahren für eine durchgängige und einheitliche Beschilderung dieser Landschaftsroute stark gemacht, die von allen Landkreisen umgesetzt wurde

 
W

elche Bedeutung haben sogenannte Landschaftsrouten und deren durchgängige Beschilderung?


Stöttner: Touristische Routen liegen im Trend: Einerseits werden Kurzreisen immer beliebter, andererseits ist die Sehnsucht nach Erlebnissen entlang einer vororganisierten Reiseroute stärker denn je zu einem Leit-Thema geworden. Eine durchgängige Beschilderung ist trotz digitaler Navigations- und Routingsysteme nach wie vor ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Denn sie bietet dem Reisenden unterwegs die Bestätigung, dass er sich auf dem richtigen Weg befindet und trägt zur Präsenz der jeweiligen Route in den Regionen bei.

 
 
 

 

Lehne: Als Wohnmobilist weiß ich, dass man auf einer Landschaftsroute nicht rasen will, sondern Genuss-Reisender ist. Der Weg ist das Ziel, weil er ein bestimmtes Thema aufgreift oder tolle Landschaftserlebnisse bietet. Man muss auf der Route immer wieder Informationen vorfinden – als Bestätigung, als Standortinformation und, um interessante Dinge zu erfahren. Dafür ist ein einheitliches Leitsystem mit einem klar definierten Corporate Design das A und O, schließlich geht es um Wiedererkennung.

Fredlmeier: Sie geben in zweierlei Hinsicht Orientierung: Zum einen als attraktive Wegeführung, zum anderen nehmen solche Routen stets spannende Themen auf: seien es Landschaftsbilder, Geschichte, Kultur oder auch Kulinarik. In diesem Sinne verbinden sie oftmals Attraktionen, die man nicht verpassen sollte, wenn man sich einer Region oder einem Thema nähern möchte. Eine einheitliche Beschilderung bringt die Routenführung aus der Beliebigkeit heraus, bildet die Grundlage für eine touristische Vermarktung und weckt die Neugierde von Reisenden, die sich eher zufällig auf der Route befinden. Nicht zuletzt lässt der Routenname schnell darauf schließen, was in besonderer Weise landschafts- oder auch kulturprägend ist.

Irlinger: Das Beschilderungskonzept und die damit verbundene Stärkung der Themenstraße haben dazu beigetragen, dass sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt wird. Und dass sie immer beliebter wird, ist für uns als Hotel in der Nähe natürlich super, denn dadurch steigen auch die Übernachtungszahlen.


Was gefällt Ihnen an der Deutschen Alpenstraße besonders gut?

Stöttner: Als „Route der bayerischen Originale“ steht sie für die Essenz, die Bayern in seiner Gesamtheit zu bieten hat. Sensationell ist der Blick von den Höhenstraßen wie dem Kesselberg, dem Sudelfeld oder der Rossfeld Ringstraße hinaus ins Voralpenland – eine Perspektive, die es in den Zentralalpen so nicht gibt. Außerdem ist sie ein Gegenpol zu den boomenden Transalp-Verbindungen in Nord-Süd-Richtung.

Lehne: Zum einen die Ausrichtung, sie verläuft von West nach Ost. Zum anderen die Vielfalt der Landschaftserlebnisse mit grandiosen Ausblicken, Seen mit hoher Aufenthaltsqualität und Orte, die wie Perlen an einer wunderschönen Kette mit ganz unterschiedlichen Charakteren aneinandergereiht sind.

Fredlmeier: Die Deutsche Alpenstraße nennt sich zurecht die „Route der bayerischen Originale“. Viele Assoziationen und Sehnsüchte, die man gerade in einer Betrachtung aus der Ferne mit Bayern verbindet, werden entlang dieser Route vortrefflich erfüllt.

Irlinger: Sie verbindet alles, was für Bayern steht und wofür es geliebt wird: die spektakuläre Alpenlandschaft, ein reiches kulturelles Erbe und die traditionelle, bayerische Lebensart. Auf ihr lernen die Reisenden Bayern in seiner ganzen Pracht kennen.


Hat die Deutsche Alpenstraße das Potenzial, die bayerische „Route 66“ zu werden?

Stöttner: Den Vergleich mit den großen amerikanischen Traumrouten muss sie keineswegs scheuen. Denn laut Mitgliederbefragung des ADAC ist sie schon jetzt eine der beliebtesten Tourismusrouten und zugleich die älteste Ferienstraße Deutschlands. Außerdem zieht sie – ähnlich wie die „Route 66“ – Jahr für Jahr nicht nur Einheimische an, sondern ist auch als „German Alpine Road“ eine strahlkräftige Produkt-Marke im Ausland – allen voran in den USA.

Lehne: Sie kann sogar zur landschaftlich schönsten Straße Deutschlands werden. Das Potenzial ist 100-prozentig da, es wartet nur darauf, aktiviert zu werden. Mit architektonisch interessant gestalteten Parkplätzen und Haltepunkten, Infrastruktur zum Sitzen und Verweilen sowie E-Ladestationen kann die Straße aufgewertet werden. Großes Vorbild sind für mich die norwegischen Touristenstraßen, die seit einigen Jahren ausgebaut werden.

Fredlmeier: Definitiv hat sie das Potenzial zu einem noch viel stärker und international ausstrahlenden Leitprodukt für Bayern und Deutschland.

Irlinger: Ich glaube, das ist sie bereits.



ZU DEN PERSONEN

  • Klaus Stöttner, MdL, Präsident Tourismus Oberbayern München e.V. und Tourismuspolitischer Sprecher der CSU Landtagsfraktion sowie Mitinitiator des Beschilderungskonzepts
  • Stefan Fredlmeier, „Tourismusdirektor Füssen im Allgäu“ und „Tourismusbeirat Verein Bayerische Fernwege“
  • Landschaftsrouten-Experte Bernd Lehne
  • Christiane Irlinger, Geschäftsführerin Naturhotel Reissenlehen, Bischofswiesen


  • Weitere Informationen, Tourenvorschläge und eine Übersichtskarte entlang der Gebirgskette https://www.deutsche-alpenstrasse.de"