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Frag doch den Knigge: Tip-Top im Flip-Flop?

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Geboren mit einem Namen, der so bekannt ist wie Persil, spricht Moritz Freiherr Knigge seit mehr als 15 Jahren über das Nützliche im Richtigen. Sein Name steht für Erfolg mit Menschen in Wirtschaft und Gesellschaft. Seine Vorträge und Bücher zeigen, wie wir uns und anderen das Leben leichter machen. Im Gespräch mit „Gastgeber Bayern“ erklärt Knigge diesmal, wie viel Gäste eines Wellnesshotel in öffentlichen Bereichen anhaben sollten, damit sich alle Gäste wohl fühlen.

 
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inige Wellness-Gäste fühlen sich so wohl, dass andere sich unwohl fühlen. Welche Kleidung ist angemessen?

Viele Hoteliers kennen die Situation, wenn Business-Etikette und Wellness-Entspannung aufeinander treffen. Wenn die einen in Schlips und Kragen ihren Business-Lunch einnehmen und andere Gäste in knapper Montur genüsslich ihre Fitnessdrinks schlürfen.

 
 
03-Interview-Knigge
 

 

„Wende einige größere Aufmerksamkeit auf Deinen Anzug, wenn Du in der großen Welt erscheinen willst. Man ist in Gesellschaft verstimmt, wenn man sich bewusst ist, in einer unangenehmen Ausstaffierung aufzutreten“, schrieb Adolph Freiherr von Knigge bereits 1788. Auch 2019 wäre es schön, wenn alle Hotelgäste ein Gespür dafür hätten, was angemessen in Sachen Kleidung ist und was nicht.



Sechs Verhaltensempfehlungen zum richtigen Outfit, damit sich alle Gäste wohlfühlen und Wellness und Business gut miteinander auskommen.

1. MEHR IST MEHR:
Grundsätzlich gilt für die angemessene Kleidung „mehr ist mehr“. Oder andersrum: Weniger Haut ist mehr. Nackte Schulter, nackte Füße, nackte Bäuche lesen sich schon nicht schön und sehen auch live selten schöner aus. Die berühmten Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

2. DER WEG IST NICHT DAS ZIEL:
Lieber Gast bedenke: Lobby, Restaurant und Gänge gehören nicht zum Wellness-Bereich. Nur der Wellness-Bereich ist der Wellness-Bereich! Und da ist weniger mehr und Socken im Flip-Flop nicht tip-top.

3. KEMPTEN IST NICHT DIE KARIBIK:
So schön es ist, dass sich manche Gäste in den herrlichen Wellness-Bereichen Deutschlands in die Karibik träumen, so schön wäre es, wenn der Restaurantbesuch ohne Flip-Flops und Handtuch um die Schulter stattfinden würde.

4. HUMORVOLLE HINWEISE:
In den USA sah ich letztlich ein Schild mit der Aufschrift: „Wellness gibt es bei uns 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Flip-Flops und Muscle-Shirts nur im Wellness-Bereich.“ In England trug ich einen Bademantel mit dem Aufdruck „Auf dem Weg ins Paradies“.

5. SPRECHEN HILFT:
Wer nicht alles regeln will und auch humorvolle Hinweise als unzulässiges Maßregeln seiner Gäste empfindet, der setze auf das Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Nicht im Duktus des strengen Herbergsvaters, sondern in wohlwollender Kumpanei. Das hilft nicht immer, aber oft.

6. VERKLEMMT ODER PROFESSIONELL?
Rock zu kurz? Zu viel Haut? Ja, leben wir denn wieder in 1950ern? Wer sich unsicher ist, ob er selbst verklemmter ist als seine Gäste, der frage sie doch einfach! Nicht die, die leicht bekleidet durchs Hotel schwirren. Nein, die Damen und Herren, die Kostüme und Anzüge tragen. Die tagen statt zu relaxen. Wie wohl ist Euch in Eurer Haut bei so viel nackter? Dann kann man entscheiden, ob man ein persönliches Problem hat, oder vor einer professionellen Herausforderung steht.



Moritz Freiherr Knigge gibt in „Gastgeber Bayern“ Antworten für Genießer. Haben auch Sie eine Frage? Dann schreiben Sie an f.john@gastgeber.bayern