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Nachhaltigkeit pur im Berchtesgadener Land

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Gastgeber Bayern – Ausgabe 03/2019
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In Ramsau, in direkter Nachbarschaft zum Nationalpark Berchtesgaden, befindet sich das Berghotel Rehlegg. Das Bergsteigerdorf mitten in der Biosphärenregion Berchtesgadener Land setzt – ebenso wie das Hotel – auf einen nachhaltigen, naturnahen Tourismus

 
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abei fußt der nachhaltige Ansatz im Hotel auf unterschiedlichen Säulen:

Zum einen setzen die Verantwortlichen auf die Nutzung erneuerbarer Energien und sind bemüht, den Energieverbrauch möglichst gering zu halten. Dadurch ist es ihnen gelungen, Übernachtungen im Hotel nicht nur klimaneutral sondern sogar klimapositiv zu gestalten – das heißt bei einer Übernachtung wird mehr CO2 gebunden als ausgestoßen. Zertifiziert wurde das Haus von der Qualitätsinitiative Viabono.

 
 
 

 

Lebensmittel werden nach Möglichkeit aus der Umgebung bezogen – bei der Auswahl sind Qualität und artgerechte Tierhaltung maßgebliche Faktoren. Aber auch alle Dienstleistungen und sonstige Produkte stammen vorzugsweise aus der Region. So kommt beispielsweise im „Almwies’n Spa“ nur Naturkosmetik zum Einsatz. Die hauseigene Linie, die „Rehlegger Kräuterfee“ ist nach strengen ökologischen Richtlinien hergestellt. Und auch die Mobilität der Gäste wird unterstützt, ohne der Umwelt über Gebühr zu schaden: Seit März 2018 steht ihnen mit einem E-Smart, dem sogenannten „Reh-Mobil“ ein kostenfreies und umweltfreundliches Fahrzeug für Ausflüge zur Verfügung. Eine hoteleigene Tankstelle befindet sich auf dem Grundstück. Auch E-Mountainbikes können ausgeliehen werden. Im Gespräch mit „Gastgeber Bayern“ verrät Geschäftsführer Franz Lichtenmannegger, was ihn zum Umstieg auf ein nachhaltiges Konzept bewogen hat, wie die Resonanz seiner Gäste ausfällt und warum es sich aus seiner Sicht lohnt, für neue Entwicklungen auch einmal Lehrgeld zu bezahlen.


Herr Lichtenmannegger, was gab seinerzeit den Impuls, dass Sie Ihren Betrieb nachhaltig führen wollten? Und: Würden Sie es wieder machen?

Den Impuls gab sicherlich die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft mit den unsäglichen Folgen für das Tierwohl und den damit verbundenen Qualitätseinbußen. Wir haben einfach kein Recht Tiere zu quälen, nur um billiges Fleisch zu essen. Und zu Ihrer zweiten Frage: Auf jeden Fall. Wir sind heute mehr denn je überzeugt von der Richtigkeit unseres Handelns.


Worin liegen die Vorteile eines nachhaltigen Beherbergungskonzepts?

Am wichtigsten ist für uns sicherlich die Gewissheit, das Richtige zu tun. Ein Teil der Lösung zu sein und nicht ein Teil des Problems. Wir versuchen seit zehn Jahren nachhaltig zu arbeiten und erst seit den letzten Jahren bemerken wir, dass unsere Gäste weniger preissensibel und auch dem Rehlegg immer treuer verbunden sind. Das war ein langer Weg.


In welchem Bereich eines Hotels steckt das größte Ressourcen-Einsparungspotenzial?

Das ist schwierig zu sagen. Im F&B-Bereich kann man unheimlich viel mit regionalem Einkauf tun, aber im Logis-Sektor sind die meisten Einsparungen an CO2 durch Energieeffizienz zu erreichen. Was für uns – auch im Hinblick auf die CO2-Bilanz – immer wichtiger wird, sind vegetarische und vegane Gerichte. Denn mit dem landwirtschaftlichen Aufwand, den wir benötigen, um einen Fleischesser zu ernähren, bekommen wir neun Vegetarier satt. Durch das Anbieten vegetarischer Gerichte wird also die Landwirtschaft entlastet und die dortige CO2-Bilanz verbessert.


Welche drei Maßnahmen in punkto Nachhaltigkeit lassen sich in einem vergleichbaren Betrieb ohne viel Mühe und Kosten umsetzen?

Pauschallösungen gibt es hier wohl keine. Jeder Hotelier kennt seinen Betrieb am besten. Oft ist es nur Gedankenlosigkeit, die zur Ressourcenverschwendung führt. Perlatoren an den Wasserhähnen sparen beispielsweise Wasser und viel Heizenergie. Und wenn sie richtig eingestellt sind, nimmt sie der Gast gar nicht wahr. Gäste sollten nicht das Gefühl haben, dass sie sich wegen der Nachhaltigkeit einschränken oder unwohl fühlen müssen. Wenn das der Fall ist, geht es nach hinten los. Auch Plastik ist ganz einfach zu reduzieren. Es gibt mittlerweile sehr viele Produkte die kompostierbar sind. Warum muss eine Plastiktüte 900 Jahre halten? Mit offenen Augen durch den Betrieb zu gehen, hilft da sehr.


Welche Rolle spielen Ihre Mitarbeiter bei der Umsetzung dieses Konzepts?

Ohne Mitarbeiter geht es nicht. Darunter sind natürlich einige, die ohnehin schon sehr für Nachhaltigkeit sensibilisiert sind. Aber es gibt auch die, die informiert, geschult und sprichwörtlich an die Hand genommen werden müssen. Hier greifen wir zu Einzelgesprächen und Schulungen.


Sie sind mehrfach zertifiziert: Helfen die Zertifizierungen im „innerbetrieblichen Alltag“ oder bei der Vermarktung? Wenn ja, welche helfen am besten

Zertifizierungen werden vom Kunden meiner Erfahrung nach fast gar nicht wahrgenommen. Natürlich behauptet jedes Zertifikat, es sei unerlässlich. Schlussendlich versuchen Zertifikate, Glaubwürdigkeit zu verkaufen und wenn ich ehrlich mit meinen Kunden und meinen Claims umgehe und das Vertrauen meiner Gäste nicht enttäusche, dann sind Zertifikate eher eine Nebensache. Manche – wie Viabono bei uns – helfen uns aber mit der Lösung des einen oder anderen Problems und haben damit ihre Berechtigung.


Welche Resonanz bekommen Sie von Ihren Gästen? Kommen sie aufgrund Ihres Konzepts zu Ihnen? Und werden Hotelgäste zukünftig noch mehr Wert auf nachhaltige Beherbergungskonzepte legen?

Zu Beginn unseres Weges war das Interesse an Nachhaltigkeit als Bestandteil eines Urlaubs sehr bescheiden. Es fing auch bei unseren Gästen mit dem Interesse an Tierwohl und Regionalität an. Mittlerweile belegen die Gästebefragungen sogar ein steigendes Interesse an Klimapositivität. Aber das hat sehr lange gedauert. Es wäre ein Fehler zu denken, dass man durch Nachhaltigkeit sehr schnell die Preise erhöhen kann. Wenn man nicht aus Überzeugung heraus nachhaltig ist, dann wird das Projekt nicht funktionieren. Nachhaltigkeit bedeutet bei uns im Rehlegg immer einen Dreiklang aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem. Diese drei Faktoren sind es, die ein Haus nachhaltig oder besser „Enkel tauglich“ machen. In Zukunft wird es immer wichtiger werden, ein gutes Konzept für sein Haus zu haben – Nachhaltigkeit ist da sicherlich nicht verkehrt.


Zum Abschluss einmal Hand aufs Herz: Was war der größte Fehler bei der Umsetzung Ihres nachhaltigen Konzepts?

Auf der Suche nach mehr Energieeffizienz haben wir einen sechsstelligen Eurobetrag in den Sand gesetzt, indem wir in ein System investiert haben, dass die versprochene Leistung letztlich nicht geliefert hat. Wir haben auf eine Empfehlung vertraut, die wir zu wenig überprüft hatten. Trotzdem sind wir immer noch der Ansicht, neue Techniken und Ansätze zu erproben und zu experimentieren, sind wichtige Bestandteile des Unternehmertums. Nur so können neue Wege beschritten werden. Wir haben unsere Ausgaben als Lehrgeld verbucht und prüfen Neuerungen heute im Vorfeld deutlich gründlicher. Trotzdem sind wir immer noch offen für Neues.