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Für die Zukunft des bayerischen Gastgewerbes

Gastgeber Bayern – Ausgabe 01/2018
20. März 2018
Geschmackvoll, gesellig, gemütlich
25. Juni 2018

Rund 3.000 Hoteliers und Gastronomen aus allen Teilen Bayerns sind am 23. April nach München gekommen, um beim mittlerweile achten GastroFrühling ein Zeichen der Geschlossenheit und Stärke zu setzen. Zu den zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Verbänden und Wirtschaft zählten auch der neue Ministerpräsident Dr. Markus Söder sowie der neue Wirtschaftsminister Franz-Josef Pschierer. Im voll besetzen Hippodrom appellierte Angela Inselkammer, Präsidentin des DEHOGA Bayern, in einer flammenden Grundsatzrede an die Politik, dem Wirtshaussterben nicht länger tatenlos zuzusehen.

 

Bereits im Vorfeld des GastroFrühlings hatten sich rund 2.000 Wirte am Königsplatz versammelt, um lautstark für den Erhalt des bayerischen Gastgewerbes und der Vielfalt der bayerischen Wirtshauskultur zu demonstrieren. Angeführt wurde der Zug vom Großen Vorstand des Verbands sowie Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des DEHOGA-Bundesverbands. „Wir wollen aufmerksam machen, wie wichtig Hotellerie und Gastronomie für Bayern sind. Unsere Betriebe sind die Grundvoraussetzung für den Tourismus, der nach der Industrie mittlerweile die zweitwichtigste Leitökonomie des Freistaats ist. Bei uns arbeitet jeder 20. Erwerbstätige Bayerns“, betonte Inselkammer.

 
 
 

 

30 Millionen Euro für Kleinbetriebe

Söder und Pschierer zeigten sich vom Engagement der Wirte durchaus beeindruckt. Und der Ministerpräsident hatte prompt eine frohe Botschaft im Gepäck: Das bayerische Kabinett werde ein Investitionsförderprogramm in Höhe von 30 Millionen Euro auflegen, das „noch in diesem Jahr als direkte Förderung für kleine Wirtshäuser, Gastwirtschaften, Pensionen und Hotels zur Verfügung stehen soll.“ Söder: „Wir müssen auch an die einheimische Bevölkerung und an die einheimische Wirtschaft denken und zwar sofort. Wir wollen, dass auch die nachfolgende Generation der Gastronomie in Bayern eine Heimat hat. Bayern wird hier selbst aktiv werden.“ Diese konkrete Hilfe zur Selbsthilfe sei neben der politischen Unterstützung branchenpolitischer Forderungen hinsichtlich einer Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, der Entbürokratisierung, gleicher Steuern für Essen oder Steuererleichterungen für die Sachwertbezüge Auszubildender, wichtig für Bayern.

Söder hatte bereits in seiner Regierungserklärung in der Vorwoche des GastroFrühlings den Tourismus sowie die Gastronomie als einen „ganz besonders wichtigen“ Wirtschaftszweig bezeichnet und eine neue Tourismusoffensive angekündigt. Zugleich betonte er, dass Heimatwirtschaften wichtiger Bestandteil ländlicher Kultur seien. Söder wörtlich: „Bayerns Zukunft liegt nicht nur in den Zentren, auch die Dörfer müssen Lebensqualität behalten.“

DEHOGA-Bayern-Präsidentin Inselkammer betonte in diesem Zusammenhang die Systemrelevanz des Gastgewerbes für den Erfolg Bayerns: „Hotellerie und Gastronomie sind nicht nur die regionalen Wirtschaftsmotoren schlechthin, sondern wichtig hinsichtlich der Erreichung gleichwertiger Lebensverhältnisse in allen Regionen.“ Denn gastgewerbliche Betriebe finde man in allen Regionen des Freistaats, insbesondere dort, wo sich andere Branchen zum Teil seit Jahren zurückgezogen haben. Inselkammer: „Gastgewerbliche Betriebe sind Garanten einer positiven ländlichen Entwicklung. Wollen wir die Regionen Bayerns fördern, müssen wir das Gastgewerbe fördern.“

Doch diese Stärke ist längst keine Selbstverständlichkeit, wie Berechnungen des Statistischen Bundesamts belegen: So hat Bayern zwischen den Jahren 2006 und 2015 fast ein Viertel seiner Schankwirtschaften verloren und befindet sich damit auf Rang zwei des größten Gaststättenrückgangs in Deutschland. „Vor diesem Hintergrund ist die Entscheidung des Ministerpräsidenten zukunftsweisend für unser Land“, sagte die DEHOGA-Bayern-Präsidentin im Hinblick auf das angekündigte Investitionsförderprogramm. Zusätzlich hat der neue Wirtschaftsminister Pschierer eine eigene Tourismusabteilung im Ministerium eingerichtet sowie die Etablierung eines eigenständigen Tourismuskompetenzzentrums angekündigt – allesamt „extrem wichtige Weichenstellungen zum Wohl des Tourismus“, so Inselkammer.

„Miniatur-Söder“ als Mahnung an den Ministerpräsidenten

Zuvor hatte Landesgeschäftsführer Geppert betont, wie wichtig es den Teilnehmern des GastroFrühlings sei, „ein positives Zeichen für unsere bayerische Wirtshauskultur“ zu setzen. Bayern sei weltoffen und traditionell zugleich. „Und wer lebt diese Philosophie mehr als unser bayerisches Gastgewerbe?“, so Geppert weiter.  Gerade die mittelständischen, familiengeführten Klein- und Kleinstbetriebe der Branche seien die Knotenpunkte, die Gesellschaften auf dem Land zusammenhalten. Direkt an den Ministerpräsidenten gerichtet, erneuerte der Landesgeschäftsführer seine Forderung, dass den Worten nun dringend Taten folgen müssten: „Sie haben betont, dass der bayerische Tourismus und die Gastronomie ein ganz wichtiger Wirtschaftszweig sind und deshalb eine Toursimusoffensive geplant wird. Nun sind Sie gefordert, dies umzusetzen. Gemeinsam wollen wir unser Land am Leben erhalten und dafür sorgen, dass unsere Branche den Gästen aus aller Welt auch in Zukunft einen unvergesslichen Aufenthalt ermöglichen kann.“ Als greifbare Mahnung, an den getätigten Versprechen festzuhalten, überreichte der Landesgeschäftsführer dem Ministerpräsidenten außerdem einen „Miniatur-Söder“.

Eine zentrale These Gepperts griff anschließend Inselkammer nochmals auf, indem sie unter tosendem Applaus der Gäste feststellte: „Ohne uns läuft nichts. Wir machen das Leben lebenswert. Wir halten Bayern am Laufen. Denn gäbe es keine Gastronomie und Hotellerie, kämen gar keine Gäste nach Bayern. Und weil wir gut sind, werden auch weiterhin immer mehr Gäste nach Bayern kommen, die auch Einzelhandel, Museen, Ausstellungen und andere Dienstleistungen nutzen.“

Schaue man jedoch genauer hin, werde deutlich, dass die Medaille zwei Seiten hat: „Auf der einen Seite haben wir ständig Umsatzzuwächse in der Gesamtbranche. Auf der anderen Seite sind diese Zuwächse aber stark von Betriebstypen und -größen abhängig: Bei den Hotels sind die Gewinner große Häuser, die aufgrund der 7-Prozent-Mehrwertsteuer sehr viel investieren konnten und dadurch noch viel besser geworden sind. Überlegungen, dieses zu kippen, müssen deshalb im Keim erstickt werden!“ In der Gastronomie gehe der Trend in eine vergleichbare Richtung: „Nach langen Jahren starken Wachstums im Segment der Systemgastronomie zählen aktuell vor allem Event-Caterer, Imbissstuben und Cafés zu den Gewinnern der Branche. Dorfwirtshäuser – die das Gesicht Bayerns ausmachen – sind hingegen vom Wirtshaussterben betroffen“, so Inselkammer weiter.

„Wer, wenn nicht die Große Koalition, kann etwas bewegen?“

„Passiert irgendwo ein Skandal, dann verschärfen Sie die Gesetze für alle – und wir müssen das ausbaden. Dass die Rahmenbedingungen mit all der Überregulierung uns Alle überfordern, spürt jeder. Besonders schlimm spüren es aber die Kleinen. Da die meisten Probleme auf Bundesebene zu lösen sind, hatten wir große Hoffnung auf eine neue Bundesregierung. Eine Regierung, die endlich erkennt, dass man nur das an Sozialleistungen ausgeben kann, was auf der anderen Seite reingewirtschaftet wird. Diese Hoffnungen haben sich leider nicht erfüllt“, stellte die Präsidentin fest. Das gelte gleichermaßen für die Flexibilisierung der Arbeitszeit und gleiche Steuern für Essen. „Wer, wenn nicht die Große Koalition, kann denn etwas bewegen?“, fragte Inselkammer in die Runde. „Noch dazu, wo unser ehemalige Ministerpräsident jetzt Teil der Bundesregierung ist!“

Zum Abschluss ihrer Rede fand Inselkammer auch versöhnliche Worte für die politischen Vertreter im Festzelt: „Wir müssen gemeinsam alles Menschenmögliche tun, um die Wirtshauskultur und die Vielfalt des Gastgewerbes zu erhalten. Der erste sehr wichtige Schritt ist unsere gemeinsame Kampagne ‚Zukunft für das bayerische Gastgewerbe“. Deren Ziel ist es, wirksame Maßnahmen gegen das weitere Schließen von gastgewerblichen Betrieben und Beispiele für die Gaststätte mit Zukunft anzubieten. Und noch viel mehr brauchen wir ergänzend zur Kampagne ein Investitionsförderprogramm speziell für kleinere Gastwirtschaften. Es geht bei dem Förderprogramm explizit nicht um Geschenke an unsere Branche. Die Menschen in unserem Land wollen gar nicht in allen Bereichen den Staat als Retter haben. Sie benötigen aber Rahmenbedingungen, dass sie sich selbst retten können.“