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„Menschen wollen wahrgenommen und gewürdigt werden“

„Ob der Chef da ist, spielt überhaupt keine Rolle!“
1. März 2018
Gastgeber Bayern – Ausgabe 01/2018
20. März 2018

Geboren mit einem Namen, der so bekannt ist wie Persil, spricht Moritz Freiherr Knigge seit mehr als 15 Jahren über das Nützliche im Richtigen. Sein Name steht für Erfolg mit Menschen in Wirtschaft und Gesellschaft. Seine Vorträge und Bücher zeigen, wie wir uns und anderen das Leben leichter machen. Im Gespräch mit „Gastgeber Bayern“ berichtet er über das Verhältnis von Gast und Gastgeber, das Zusammenwirken von Mitarbeiter und Vorgesetzten und die elementarsten Verhaltensregeln beim Restaurant- und Hotelbesuch.

 
S ie haben einmal gesagt „Der Knigge zu sein, ist herrlich. Ich werde so höflich behandelt, wie es sich die meisten wünschen.“ Könnten Sie bitte die wichtigsten Leitgedanken benennen, an denen sich jeder orientieren kann, der andere auch so höflich behandeln will?

Menschen wollen wahrgenommen und gewürdigt werden. Mit „Grüß Gott“, „Auf Wiedersehen“, „Danke“, „Bitte“, „Oh, entschuldigen Sie bitte!“, „Schwamm drüber“ und einem Lächeln, das von Herzen kommt, können wir viel richtig machen. Wer dann noch zuhört, statt andere zuzutexten, Fragen stellt und Antworten abwartet und über sich lauter lacht als über andere, der kommt ganz gut mit seinen Mitmenschen aus.

 
 
 
 

Sie stehen ja dazu, dass Sie selbst bereits in einige Fettnäpfe getreten sind. Hand aufs Herz: Was war Ihr größter Fauxpas?

Meinen größten Fauxpas kenne ich wahrscheinlich gar nicht, da ein wohlwollender Mensch mir eine Peinlichkeit ersparen wollte und den Mantel des Schweigens über meine Peinlichkeit gehüllt hat, ohne dass ich selbst es gemerkt habe.

Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen Gastgeber und Gast? Gibt es dort für Sie No-Gos, sowohl von Seiten des Gastgebers als auch von Seiten des Gastes?

Ob Gast oder Gastgeber, Menschen glauben die Dinge seien so, wie sie sie sehen. Zu akzeptieren, dass die eigene Perspektive eben die eigene Perspektive ist, ist so unendlich schwer. Weil der Gastgeber der Gastgeber und der Gast nun mal der Gast ist. Für den Gastgeber gilt: Der Gast ist König. Für den Gast: Ein König ist ein König, kein Despot. Und für beide gilt: sei nachgiebig. Denn schon so mancher Gastgeber fand sich als Gast und so mancher Gast als Gastgeber wieder.

Und wie sieht es mit dem Verhältnis zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem aus? Gibt es hier „Must dos“?

Für den Mitarbeiter gilt: Glaube nicht alles, was Du über Dein Können und das Versagen Deiner Vorgesetzen denkst. Für die Vorgesetzten gilt: Glaube nicht alles, was Du über Dich denkst, nur weil Deine Mitarbeiter Dir nicht sagen, was sie über Dich denken.

Was sind die fünf elementarsten Verhaltensregeln bei einem Restaurant- oder Hotelbesuch?

Behandle den Service so wie Du Dir wünschtest, dass mit Deinen Kindern umgegangen würde, wenn sie Hotel- oder Gastronomie arbeiten. Lächle, das tut Dir und anderen gut. Bedanke Dich bei denen, die Dir einen schöne Zeit bereitet haben. Mit Worten und kleinen Gaben. Genieße Deinen Aufenthalt und vermiese niemanden den seinen. Ob Reinigungskraft oder Generaldirektor. Sprich Dinge, die Dir mißfallen so an, dass der andere sein Gesicht wahrt und Dir die Gesichtszüge nicht entgleiten.

Wie würden Sie sich verhalten, wenn Ihnen eine Kellnerin aus Versehen ein Getränk über ihre Kleidung schüttet?

Das ist mir erst gerade wieder passiert. Von daher habe ich die Situation noch genau vor Augen. Das Weizenbierglas, das mir entgegenstürzte, konnte ich noch ein bißchen abfangen, aber die Hälfte hat meine Jeans erwischt. „Oh Gott, das ist mir so unangenehm“, sagte die Bedienung. „Gibt Schlimmeres“, sagte ich, lächelte und sie lächelte zurück. Damit war das Thema erledigt.

Sie halten ja auch Vorträge in Unternehmen. Wenn Sie einen Vortrag vor Hoteliers und Gastronomen halten würden, welche Tipps würden sie Ihnen gerne mit auf den Weg geben?

Führe Deine Mitarbeiter so, dass Sie Deine Gäste wie Könige behandeln und stärke Ihnen den Rücken, wenn sie auf Despoten treffen.


Zur Person

Die meisten Menschen wünschen sich im Leben mehr Höflichkeit, Respekt und Wertschätzung. Warum nur so oft von anderen? Moritz Freiherr Knigge sagt, was wir selbst tun können, um besser miteinander klar zu kommen. Die Schule besuchte er in Hannover, in Göttingen ging er in die Lehre als Verlagskaufmann, für sein Studium der Betriebswirtschaft und Menschen lebte er in Neukölln. Seinen ersten Job fand er im Rheinland. Hier wurde seine Berufung sein Beruf: Den Umgang mit Menschen so zu gestalten, dass er gelingt, dass er Freude macht. 2002 hat er sich selbstständig gemacht. Seitdem hat er sieben Bücher und ein Hörbuch veröffentlicht, Workshops und Seminare geleitet, Kolumnen geschrieben, Interviews gegeben, vor Kameras und Mikrofonen gestanden und gesessen. Als Redner hat er bis heute vor mehr als 125.000 Zuhörern gesprochen. Von seinen Einsichten und Erfahrungen im Umgang mit Menschen.