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„Erfolgreich sein, heißt auch Fehler machen“

„Es sollte kein Dorf ohne Wirtshaus geben“
10. Dezember 2018
Die Welt als Bühne, das Wirtshaus als Heimat
10. Dezember 2018

„Unternehmertum kann man nicht einfordern, es kommt aus den Köpfen und Herzen“ – so lautet ein berühmtes Zitat Dagmar Wöhrls, die insbesondere in ihrer Rolle als TV-Investorin bei der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ einem breiten Publikum bekannt wurde. Zuvor war sie nicht nur 23 Jahre Mitglied des Deutschen Bundestags, sondern dort unter anderem parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. Darüber hinaus steht der Name Wöhrl unter anderem für ein erfolgreiches Textilunternehmen, eine Fluggesellschaft, aber auch eine Hotelkette. „Gastgeber Bayern“ hat sich mit der 64-Jährigen über die wichtigsten Voraussetzungen bei dem Start in die Selbstständigkeit unterhalten.

 
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rau Wöhrl, als erfolgreiche Unternehmerin engagieren Sie sich regelmäßig für junge Startups und bieten Ihre Unterstützung an. Was sind für Sie die wichtigsten Voraussetzungen bei dem Start in die Selbstständigkeit?

Eine gute Geschäftsidee, die dem Kunden einen Mehrwert bietet, gepaart mit Wille und Fleiß. Dazu einen Plan, wie er sein Ziel erreichen will. Wichtig ist auch ein komplementär aufgestelltes Team, das die verschiedensten Bereiche abdeckt. Vergessen darf man auch nicht, sich mit dem Vertrieb zu beschäftigen. Denn was nutzt einem eine brillante Geschäftsidee, wenn man sie nicht dem Kunden nahebringt. Ein Gründer muss sich bewusst sein, dass vor ihm kein geradliniger Weg zum Erfolg liegt. Erfolgreich sein, heißt auch Fehler machen.

 
 
 

 

Sie unterstützen den HOGA Start-up-Wettbewerb als Jurymitglied. Bei dem Wettbewerb geht es darum, frische Ideen für das bayerische Gastgewerbe zu finden. Welche Innovationen würden Sie sich, aus der Perspektive eines Gastes, für die bayerische Gastronomie wünschen?

Das mag überraschen, aber für mich wäre es innovativ, sich wieder auf die Grundsätze eines guten Gastgewerbes zu besinnen: Qualität und Servicebereitschaft. Nur so erzeugt man bei einem Gast den Wohlfühleffekt.

Neue Ideen und traditionelles Wirtshaus – geht das überhaupt zusammen? Besteht da nicht die Gefahr, dass etwas an Kultur verloren geht?

Nein, ganz und gar nicht. Für mich ist es schon wichtig, Traditionen zu wahren. Ich kann mir Bayern ohne unsere traditionellen Wirtshäuser nicht vorstellen. Daneben sollte man aber auch neuen Gastronomie- Konzepten aufgeschlossen gegenüber sein. Kundenwünsche sind heute vielfältiger ausgeprägt als in der Vergangenheit. Bei unseren Dormero-Hotels haben wir erst vor zwei Jahren das bayerische Restaurant Konzept „Zum roten Eichhörnchen“ eingeführt. Dies beinhaltet traditionelle Speisen, modern interpretiert. Das Feedback unserer Gäste bestätigt uns, damit durchaus die richtige Wahl getroffen zu haben.

Die Gewinner des Start-up-Wettbewerbs erhalten einen kostenfreien Messestand auf der Gastgebermesse HOGA Nürnberg 2019. Wie können die jungen Start-ups so eine Möglichkeit und die damit verbundene Aufmerksamkeit für sich gewinnbringend nutzen? Haben Sie Tipps?

Es kommt natürlich auf die Geschäftsidee des Gewinner-Start-ups an. Aber grundsätzlich sage ich: Traut Euch, anders zu sein! Wagt neue Wege in der Gewinnung von Neukunden. Hört Euren Kunden zu, dann erfahrt Ihr auch, wohin die Reise gehen soll. Das A und O ist für mich immer der Mensch – auch in der Gastronomie.

Was war Ihr schönstes Wirtshauserlebnis?

Nun, ich denke immer gerne an die Zeit zurück, als ich während meiner Studentenzeit auch in der Gastronomie arbeitete. Besonders am Tresen beim Bier zapfen habe ich viele nette und interessante Menschen kennengelernt.

Hand aufs Herz, bei welchen Speisen können Sie schwerlich nein sagen?

Wo soll ich anfangen und wo aufhören? Ich mag wirklich unser Schäufele, aber nur, wenn ich auch viel Kruste auf dem Teller habe. Zu Kloß mit Soß kann ich auch selten nein sagen, aber wirklich immer weich werde ich, wenn es einen guten Wurstsalat auf der Karte gibt.

Gibt es auch ein absolutes Lieblingsessen?

Eher Wirtshaus-untypisch: Knoblauchspaghetti oder Penne al Arabiatta. Aber diese mit viel frischem Chilli.

Können Sie eigentlich Kochen und wenn ja, kochen Sie gerne?

Ich bin sicher keine Spitzenköchin, aber ich würde auch nicht an Hunger sterben, wenn es keine Restaurants mehr gäbe. Um ehrlich zu sein, ist Kochen nicht meine große Leidenschaft. Von meinen Knoblauchspaghetti schwärmen aber bisher all meine Gäste.

Gibt es ein Lieblingsgetränk?

Ich liebe guten Rotwein, aber auch ein gutes bayerisches Bier hat seine Vorzüge. Alles zu seiner Zeit.

Sie wohnen viel in Hotels. Worauf legen Sie bei der Auswahl eines Hotels immer besonders viel Wert?

Da ich meist beruflich unterwegs bin, ist für mich wichtig, dass es verkehrsgünstig gelegen ist und ich schnell und unkompliziert zu meinen Terminen komme. Das Hotel sollte mir auch einen gewissen Wohlfühleffekt vermitteln und ihm sollte ein guter Ruf für hervorragende Servicequalität vorauseilen.

Gibt es etwas, was Sie in einem Hotelzimmer besonders schätzen?

Ein großes Bett und wenn möglich keinen Teppich. Wenn bei der Planung des Hotels auch auf ein durchdachtes Lichtkonzept Wert gelegt wurde, fühle ich mich wohl. Perfekt wird es, wenn keine Extrakosten auf einen zukommen, wie zum Beispiel horrende Preise für eine kleine Flasche Wasser.

Zur Person

Nach ihrem Abitur 1973 studierte die gebürtige Nürnbergerin Jura an der Friedrich-Alexander-Universität. Nach dem zweiten Staatsexamen begann sie 1987 als Rechtsanwältin und Unternehmerin zu arbeiten. Kurze Zeit später engagierte sich Wöhrl zudem politisch in der CSU. Von 1990 bis 1994 gehörte sie dem Stadtrat von Nürnberg an und arbeitete als wohnungspolitische Sprecherin. Von 1994 bis 2017 war sie Mitglied des Deutschen Bundestags. Von 1998 bis 2002 war sie wirtschaftspolitische Sprecherin der CSU-Landesgruppe und anschließend, bis 2005, für die CDU/CSU-Bundestagsfraktion. In den 70er-Jahren nahm sie an zahlreichen Schönheitswettbewerben teil und errang 1977 sogar den Titel der Miss Germany. Ehrenamtlich engagiert sie sich für den Kunstbeirat des Deutschen Bundestags, Aktion Deutschland Hilft, für die deutsche UNESCO- Kommission, für die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Seit 2017 ist Mitglied Jurymitglied der Gründer-Show „Die Höhle der Löwen“.