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Algen im Bett, recycelte Fischernetze als Bodenbelag, gepresstes Stroh in der Zimmerdecke: Im Creativhotel Luise in Erlangen hat Ben Förtsch sechs „nachwachsende Hotelzimmer“ eingerichtet. Aber das ist nicht alles – der Geschäftsführer setzt beim Thema nachhaltige Betriebsführung auch auf Hightech-Features aus der Raumfahrt.

 
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ach wie vor ist die Tourismusbranche von einer Wegwerf-Mentalität dominiert. Mini-Amenities in den Bädern und auf den Zimmern im Allgemeinen sowie Kleinverpackungen bei Frühstück-Buffets sind vielerorts an der Tagesordnung. 

Doch das ist nur das Offensichtliche, denn bei der Bauweise wird kaum auf Wertstoffkreisläufe, bei zugekauften Möbeln kaum auf die Herkunft und Zusammensetzung geachtet. Doch auf welche Weise können Hoteliers in ihren Häusern tatsächlich Energie einsparen? Wo verstecken sich Potenziale und wie können sie genutzt werden? Diese Fragen hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) im Zuge des auf vier Jahre ausgelegten Modellvorhabens „Check-in Energieeffizienz“ beantwortet, das sie gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium ins Leben gerufen hat. Bei der Theorie blieb es dabei nicht: Im Laufe des Projekts haben die teilnehmenden 30 Hoteliers ihre Häuser energetisch saniert – mal wurden größere Maßnahmen ergriffen, mal reichte ein geringinvestives Vorgehen.

 
 
 
 

Einer der Vorzeigebetriebe ist das familiengeführte Creativhotel Luise in Erlangen mit seinen 95 Zimmern in mehreren, zwischen 1956 und 2001 errichteten Gebäuden. Der Gastgeber und Geschäftsführer des Drei-Sterne-Superior-Hauses, Ben Förtsch, hat in sechs Hotelzimmer investiert, deren Inventar sozusagen nachwächst. Das Konzept zeigt einen Weg auf, wie ein nachhaltiger und ressourcenschonender Tourismus, sowohl in der Einrichtung als auch im Betrieb von Hotelzimmern, möglich ist, ohne den Geldbeutel der Kunden über die Maße zu belasten. Es basiert grundsätzlich auf dem Cradle-to-Cradle Prinzip, einer ganzheitlichen Betrachtungsweise der verwendeten Ressourcen von Anfang an bis hin zum Ende: „Unser Ziel war es, etwas Neues zu schaffen. So außergewöhnlich, dass es auch für uns eine große Herausforderung wird“, betont Geschäftsführer Förtsch. „Nachhaltigkeit hat in vielen Betrieben an Bedeutung gewonnen und auch die Hotelindustrie wird zunehmend grüner. Das ist natürlich erfreulich."

Die „nachwachsenden“ Zimmer im Creativhotel Luise bestehen ausschließlich aus Naturmaterialien und Bio-Baustoffen: Die Gäste übernachten auf einer Matratze, die mit biologisch abbaubaren Algen und Kokosnussfasern gefüllt ist. Bettdecke und Kissen bestehen ebenfalls aus den organischen Stoffen. Die Zimmerdecke ist aus mit hohem Druck gepressten Strohplatten gefertigt. Dadurch, dass das Material so kompakt ist, entspricht es den Brandschutzrichtlinien. Eine weitere Besonderheit ist der Teppich aus recycelten Fischernetzen und PET-Flaschen. „Er ist sehr hygienisch, weil er gut zu reinigen ist“, erklärt Förtsch. Und auch beim Wandpanel aus Kork und Holz wurde auf Nachhaltigkeit geachtet. „Unser Ziel war es, etwas Neues zu schaffen“, sagt Förtsch. In jedes der Zimmer hat er etwa doppelt so viel Geld investiert, wie in einen Standard-Raum. „Allerdings fließen hier viele Planungs- und Konzeptkosten mit ein, die auch die Basis für zukünftige Zimmer bilden“, erklärt der Geschäftsführer.

Besonders außergewöhnlich sind die Weltraumduschen, die der Hotelier installieren ließ. Kostenpunkt: 7.000 Euro pro Stück. „Das sind Ausnahmeprodukte, die wir natürlich auch zu Marketing- und Pionierzwecken einbauen ließen“, erzählt Förtsch. Das spezielle System, in dessen Fußbereich das Wasser gereinigt und wieder dem Kreislauf zugeführt wird, hat die NASA ursprünglich für eine Marsmission entwickelt. Damit kann der Wasserverbrauch um rund 90 Prozent, der Energieverbrauch um 80 Prozent gesenkt werden. Zudem setzt Förtsch in den Bädern auf Wärmerückgewinnungsgeräte, die für frische Raumluft  sorgen. Die Heizung in den Zimmern lässt sich intelligent steuern.

Und so viel Engagement zahlt sich aus: Das Creativhotel Luise ist nicht nur klimaneutral, sondern sogar „klimapositiv“, sprich die Verantwortlichen binden mehr CO2, als im Hotel produziert wird. Dafür wurde das Haus von Viabono, der unabhängigen Fachorganisation für Nachhaltigkeitszertifizierungen in Deutschland, ausgezeichnet.