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Neue Impulse für den Tourismus in Bayern

Gastgeber Bayern – Ausgabe 02/2018
25. Juni 2018
„Wirtshäuser sind Schaufenster regionaler Genüsse“
26. Juni 2018

Bayern ist besonders, und es ist besonders attraktiv. Einzigartige Landschaften, kultureller Reichtum, gelebte Traditionen sowie kulinarische Highlights ziehen zahllose Gäste aus Nah und Fern an, sodass der Freistaat auch im Tourismus erfolgreicher ist als andere Bundesländer: Fast jeder fünfte Euro, der in der Tourismusbranche in ganz Deutschland verdient wird, wird in Bayern erwirtschaftet. Ein Rekord folgt dem nächsten, allein im Jahr 2017 besuchten mehr als 37 Millionen Menschen den Freistaat und übernachteten dabei über 94 Millionen Mal. Ein neues Rekordergebnis. Und auch die Zahlen für das erste Quartal 2018 lassen eine Steigerung von rund 7 Prozent bei Gästeankünften und Übernachtungen für dieses Jahr erwarten.

 

Eine Reise nach Bayern ist nicht nur lohnenswert für den Reisenden, auch die Menschen in Bayern profitieren erheblich von den Gästen. Die Tourismusbranche hat sich mittlerweile zu einer wichtigen Säule der bayerischen Wirtschaft entwickelt. Die Touristen geben jedes Jahr rund 31 Milliarden Euro in Bayern aus. Mehr als 560.000 Personen im Freistaat beziehen ihr Einkommen vollständig durch den Tourismus. Berücksichtigt man Zweitrunden- effekte, etwa auf das lokale Handwerk oder den Einzelhandel, dürfte die Zahl noch um ein Vielfaches höher liegen. Der Tourismus hat somit zentrale Bedeutung als Arbeits- und Wirtschaftsfaktor und ist mit seinen vielfältigen kulturellen und sozialen Verflechtungen ein hervorragender Werbeträger für unser Land. Auf den Punkt gebracht: Der Wirtschaftsstandort Bayern profitiert insgesamt erheblich von den touristischen Aktivitäten. Das zeigt sich auch an der regionalen Verteilung der Wertschöpfung: Über zwei Drittel der Übernachtungen entfallen auf den ländlichen Raum. Damit ist der Tourismus gerade in strukturschwächeren Gegenden ein wesentlicher Motor für Wachstum und Wohlstand. Als neuer bayerischer Tourismusminister ist es daher mein zentrales Anliegen, diese Entwicklung weiter voranzutreiben und dem Tourismus einen noch höheren Stellenwert beizumessen.

 
 
 

 

Neue Tourismusabteilung

Diese hohe Priorität habe ich bereits in meinem Ministerium abgebildet und eine eigene Tourismusabteilung geschaffen. Im Kern soll es darum gehen, den Tourismus zukunftsfähig und nachhaltig weiterzuentwickeln. Dabei soll der Tourismus in Bayern besonders bleiben, Natur und Lebensart in Bayern sind Katalysatoren einer positiven Entwicklung der Branche. Auch meine tourismuspolitischen Ziele orientieren sich daran. Es soll kein höher, schneller, weiter geben, sondern ein Wachstum an Qualität und Wertschöpfung und eine klare Orientierung an Bayerns Besonderheiten.

In diese Strategie fügt sich die Entscheidung am Riedberger Horn, Modelldörfer für modernen Ski- und Bergtourismus im Einklang mit der Natur zu entwickeln hervorragend ein. Das Projekt wird Strahlkraft weit über die Grenzen des Allgäus hinaus entfalten. Ich bin der Überzeugung, dass dieser Ansatz echte Perspektiven und optimale Rahmenbedingungen für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung aller stark touristisch geprägten Regionen bietet.

In gleicher Weise gilt das im Übrigen auch für unsere bayerischen Bergsteigerdörfer. Bis Ende 2017 haben wir in Oberbayern mit Ramsau, Schleching und Sachrang drei Bergsteigerdörfer auszeichnen können. 2018 kommt unter anderem Kreuth hinzu. Für diese Bergsteigerdörfer setzen wir Impulse zur Weiterentwicklung, indem wir sie finanziell dabei unterstützen, ihre naturverträglichen Vorzüge für Gäste marketingwirksam in Szene zu setzen. Auch 2018 stehen für neue Bergsteigerdörfer gut 90.000 Euro bereit.

Ganz besonders am Herzen liegt mir auch unsere Hotellerie und Gastronomie. In unseren Städten und Gemeinden gehört das Gasthaus zu unserer bayerischen Lebensart und Tradition. Gasthäuser stehen für sozialen Zusammenhalt und Austausch; gleichzeitig sind sie wesentlicher Baustein für funktionsfähige Tourismusstrukturen in allen Regionen. Diese Strukturen sind in Gefahr. Seit dem Jahr 2000 sind in Bayern 3.000 Wirtshäuser verloren gegangen, rund 500 bayerische Gemeinden haben kein eigenes Wirtshaus mehr.

Deshalb unterstützen wir das Gastgewerbe bereits mit Förderprogrammen, die sowohl Beratungsleistungen als auch Investitionsmaßnahmen umfassen. Beispielhaft möchte ich hier das Bayerische Vorgründungscoaching für Existenzgründungen und Betriebsübernahmen sowie die gewerbliche Tourismusförderung nach den „Bayerischen Regionalen Förderprogrammen“ nennen. Allein mit letzterem konnten in den Jahren 2013 bis 2017 mehr als 770 touristische Vorhaben mit knapp 180 Millionen Euro an Zuwendungen gefördert und damit Investitionen von knapp 1,1 Mrd. Euro angestoßen werden. Um diese Fördermöglichkeiten noch bekannter zu machen und gebündelt vorzustellen, wird mein Haus im Juli 2018 „Wirtshausgespräche“ in Nordschwaben, Franken und Ostbayern durchführen.

Kampagne für das Gastgewerbe

Angesichts der Herausforderungen für das Gastgewerbe bedingt durch Digitalisierung, Fachkräftemangel und gesellschaftlichen Wandel unterstützen wir zudem die Kampagne „Zukunft für das Bayerische Gastgewerbe“ des DEHOGA Bayern mit einer halben Million Euro. Die Kampagne soll Unternehmen an bestehende Förderprogramme und Initiativen heranzuführen. Zudem werden kostenlose Blitzlichtberatungen angeboten, die der Potenzial- und Schwachstellenanalyse dienen sollen. Hier wird echte Hilfe zur Selbsthilfe geboten. Die bestehenden Programme und Kampagnen sind ein solides Fundament, auf dem wir gastgewerbliche Unternehmen unterstützen. Insbesondere beim kleinteiligen Gastgewerbe und den Dorfwirtschaften sehe ich jedoch noch Nachholbedarf.

Hauptleistungsträger des Tourismus in ganz Bayern ist das klein- und mittelständisch geprägte Beherbergungsgewerbe. Um den wachsenden Ansprüchen der Gäste an Qualität und Komfort gerecht zu werden, sollen diese Hotellerie- und Beherbergungsunternehmen unabhängig von Größe oder Klassifizierung des Betriebs bei notwendigen Investitionen zusätzlich unterstützt werden. Mit einem neuen Sonderprogramm „Tourismusland Bayern – Qualität und Gastlichkeit“ können ab Mitte des Jahres noch mehr touristische Unternehmen in den ländlichen Regionen Bayerns vorangebracht werden. So stärken wir die Basis der privaten Tourismuswirtschaft.

Angesichts der demografischen Entwicklung und höherer Ansprüche an den Komfort müssen wir im Bayerntourismus noch mehr in die Barrierefreiheit investieren. Deren Bedeutung ist enorm: Barrierefreiheit ist für 10 Prozent der Bevölkerung unentbehrlich, für 30-40 Prozent notwendig und für 100 Prozent komfortabel. Barrierefreiheit stellt zweifellos ein entscheidendes Qualitätsmerkmal dar. Die bayernweiten Bemühungen mit „Bayern barrierefrei“ und vor allem die Entwicklung von 20 touristischen Pilotdestinationen waren ein großer Erfolg. Nun kommt es darauf an, Gasthäuser, kleinere Hotels und Pensionen bei den Investitionen in die Barrierefreiheit zu unterstützen. Mit einem Sonderprogramm „Tourismusland Bayern – barrierefreie Gastlichkeit“ werden wir ab Mitte des Jahres diese Lücke schließen. 30 Millionen Euro an Fördermitteln sind für diese zusätzlichen Initiativen eingeplant.

Forschungszentrum Tourismus

Neben gezielter finanzieller Hilfe will ich die Tourismuswirtschaft aber auch bei der Bewältigung aktueller Zukunftsfragen unterstützen. Deswegen werde ich die Forschung im Bereich Tourismus neu aufstellen. In einem neuen Forschungszentrum sollen Konzepte für Nachhaltigkeit im Tourismus entwickelt oder auch Möglichkeiten der Digitalisierung ausgelotet und aufgezeigt werden.

Der Freistaat bietet beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Tourismus, und unsere Partner vor Ort setzen den Dreiklang aus Gastlichkeit, Tradition und Innovation seit Jahren mit großem Erfolg um. Mit unseren neuen Beratungs- und Förderangeboten sowie zusätzlichen Kompetenzen im Forschungsbereich werden wir diesen Weg konsequent weitergehen. Wir werden die touristische Basisinfrastruktur in allen Landesteilen weiter verbessern und die Grundlage für Innovationen und die Erneuerung unserer gastgewerblichen privaten Tourismuswirtschaft schaffen.

ZUR PERSON:

Franz Josef Pschierer wurde am 1. Juli 1956 in Haunstetten geboren, ist römisch-katholisch und verheiratet. Er hat zwei Kinder. Nach seinem Abitur 1976 am Maristenkolleg in Mindelheim absolvierte Pschierer bei der Bundeswehr eine Ausbildung zum Reserveoffizier. Von 1978 bis 1983 studierte er Politik- und Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg. Nach Tätigkeiten bei der Handwerkskammer für Schwaben und Augsburg und bei der Deutschen Handwerks-Zeitung wurde er 1994 erstmals in den Bayerischen Landtag gewählt. Dort war er tourismuspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion, bevor er von 2003 bis 2008 Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag wurde. Von 2008 bis 2013 war Pschierer Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, von Oktober 2013 bis März 2018 Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. Seit März 2018 ist er Staatsminister im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Energie und Technologie. Im Ehrenamt ist Pschierer Präsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes.